Berliner Mauer in Meerbusch

Politiker nehmen Schenkung an. Jetzt wird ein Standort gesucht.

Meerbusch. In Berlin muss man mittlerweile sehr aufmerksam sein, um die Reste der Mauer nicht zu übersehen. Meterweise, in Stückchen und Bröckchen und Geschenkschachteln wurde sie in alle Welt verkauft. Das geschah so schnell, dass, wie die grüne Kulturpolitikerin Irmtraud Richter es im Ausschuss formulierte "die Denkmalschützer in Berlin die Mauer gar nicht so schnell schützen konnten, wie sie verhökert wurde".

Zwei gewaltige Stücke des fast vier Meter hohen Grenzwerks zwischen Ost und West - auf der ehemals dem Westen zugewandten Seite vom Künstler Thierry Noir gestaltet - werden gut 20 Jahre nach dem Mauerfall nun in Meerbusch aufgestellt.

CDU und FDP haben gute Gründe für diese Entscheidung. Ein Stück Zeitgeschichte erhalten, ein Mahnmal gegen das Vergessen aufrichten und "alles dafür zu tun, dass man den Jüngeren die Geschichte nicht nur in Worten näherbringt", betont Gabriele Schmidt (FDP). Es sei nicht denkbar, dass man diese Schenkung eines Düsseldorfer Bürgers zurückweise. "So provinziell können wir doch nicht sein."

Auch die CDU entschied sich am Ende einer internen und kontroversen Diskussion für das Kunstwerk. Als "Symbol für Freiheit und Frieden" sei es ein Geschenk an nachfolgende Generationen, sagt Carsten Herlitz. Das "ungeheure didaktische Potenzial" des Exponats begeistert seinen Fraktionskollegen Mike Kunze, ein Geschichtslehrer.

Gute Gründe hat auch Irmtraud Richter (Grüne), das Geschenk abzulehnen. "Zeugnisse der Vergangenheit sollen an ihrem Ort und authentisch bleiben", plädiert Richter, die die schöne Gestaltung der Stücke eher als unangemessene Verniedlichung empfindet.

Die Mauer könne in Meerbusch wenig mehr als ein Fetisch sein. "Die Betonteile waren der geringste Teil der Grenzanlage. Die Topographie des Terrors wird in ihnen nicht erkennbar", gibt Richter zu bedenken.

Ähnlich positioniert sich auch die SPD. "Wir haben den geschichtlichen Kontext in Meerbusch gesucht und sind da schnell an Grenzen gestoßen", sagt Nicole Niederdellmann-Siemes.

Der Kulturausschussvorsitzende Franz-Josef Radmacher (CDU) freut sich am Ende über das Ja der politischen Mehrheit: "Die Mauer war ein Symbol der Teilung der Welt, Europas und Deutschlands. Als Eiserner Vorhang trennte sie jahrzehntelang zwei Systeme. Man sollte einen Standort finden, wo sie Schülern zugänglich ist. Das wäre schön."

Nach dem soll nun die Verwaltung suchen.

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