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Ass-Dur - Anspruchsvolle Klaviermusik und grandioser Quatsch

Ass-Dur - Anspruchsvolle Klaviermusik und grandioser Quatsch

Das Duo Ass-Dur bietet in seinem Programm „Erster Satz — Pesto“ eine neue Form des musikalischen Kabaretts an.

Lank. Alles ist schon mal dagewesen, erst recht im Kabarett. Ein Trugschluss, wie das Duo Ass-Dur diese Woche bei seinen zwei Auftritten im Forum Wasserturm in Lank unter Beweis stellte. Die beiden Musikstudenten Dominik Wagner und Benedikt Zeitner haben eine neue Form des musikalischen Kabaretts geschaffen. Klavier und Gesang dienen nicht nur der Begleitmusik, sondern sind zentraler Bestandteil ihres Programms.

Und das soll lustig sein? Ist es, wenn man es mit haarsträubenden Überzeichnungen der Figuren, einer grotesk anmutenden Mimik und einer Prise zwischenmenschlicher Dissonanz auf der Bühne anreichert. Auch die ein oder andere Zote darf Wagner ruhig einstreuen, bietet sie doch an der richtigen Stelle einen willkommenen Gegenpol zu den linguistisch feinsinnigen, inhaltlich aber natürlich mit lauter Nonsens überfrachteten Fachvorträgen Zeitners.

Es gibt kaum einen Kleinkunst- oder Publikumspreis, den das Duo in den vergangenen vier Jahren nicht abgeräumt hat. Zurecht, denn es ist grandioser Quatsch, den die beiden Musikstudenten zwischen gekonnt vorgetragener Klaviermusik und stimmlich perfekt ausgebildetem Gesang abliefern.

Abgerundet wird der Auftritt durch die Verschiedenheit der Charaktere: auf der einen Seite der aufbrausende und besserwisserische Schnösel Zeitner, auf der anderen der wortkarge, coole und doch stets auch ein wenig geschmacklose Wagner, nach dessen panischem Augenaufschlag man sofort einen Gesichtschirurgen zu Hilfe rufen möchte.

Das Publikum ist bei Ass-Dur immer ein Teil des Programms. Es muss mitsingen oder zumindest so schreien wie eine sterbende Katze, wird von Oberlehrer Zeitner gemaßregelt, darf sich dann aber wieder selbst als Klangkörper erfahren.

Ass-Dur kann auch zaubern. Oder Happy Birthday spielen wie Beethoven und James Bond. Letztendlich sehen die beiden Kabarettisten ihren Auftritt aber vor allem als eine Form der Selbsttherapie an. Der Zuschauer muss es ausbaden, macht das aber gerne.