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Tennis: Platz fünf ist das Maximum

Tennis: Platz fünf ist das Maximum

Trotz finanziell schwieriger Zeiten versucht der TC Blau-Weiß Neuss, den Zuschauern ein Erlebnis zu bieten.

Neuss. „Weltklasse im Club.“ Mit diesem Motto wirbt die Tennis-Bundesliga seit einigen Jahren für ihr Produkt. Und das gelte nach wie vor, sagt Marc Raffel, Teammanager von Blau-Weiß Neuss. Auch wenn die Liga längst eine Zweiklassengesellschaft ist: Vorne machen die Mannschaften aus Aachen, Halle, Mannheim und Erfurt den Meister unter sich aus, der Rest spielt bestenfalls um Platz fünf. „Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer. Aber das ist in anderen Sportarten genauso“, sagt Raffel.

Nicht mehr zur Elite im Oberhaus zählt der Düsseldorfer Rochusclub, der seinen Etat stark reduzieren musste. Daher rechnet sich Raffel Sonntag (11 Uhr, Jahnstraße) im ersten Saisonspiel auch gute Chancen gegen den Nachbarn aus. Und während der Neusser Manager seine Aufstellung schon komplett hat (Flavio Cipolla, Federico Delbonis, Jesse Huta-Galung, Ruben Bemelmans oder Stefan Seifert), muss sein Pendant Detlef Irmler noch hinter jedem Namen ein Fragezeichen setzen.

Ein Erlebnis soll der Besuch eines Bundesligaspiels für die Zuschauer sein, dafür setzt sich Raffel auch als Sprecher der Liga ein. „Mindeststandards bei Sitzplätzen, Gastronomie und Parkplätzen müssen sein“, betont er. Dass es in Erfurt zum Beispiel lange nur eine Toilette gab, sei nicht akzeptabel gewesen.

Neu im Neusser Team ist der 27-jährige Stefan Seifert, der bereits eine wechselhafte Karriere hinter sich hat. Mit 23 Jahren legte er den Schläger in die Ecke, um sein Abitur nachzuholen. Erst seit anderthalb Jahren ist er wieder auf der Tour und hat zuletzt die Qualifikation in Paris und Wimbledon gespielt. „Das hat Lust auf mehr gemacht“, sagt Seifert.

Es sei alles andere als einfach, sich im Tennis als junger Spieler zu behaupten, erzählt der Linkshänder. „Das kostet richtig viel Geld, und das bisschen, das man bei Future-Turnieren gewinnt, ist nach Abzug der Steuer wieder weg. Auf der ATP-Tour verdienen sehr wenige sehr viel, für die breite Masse bleibt da kaum etwas übrig.“ Finanziell unter die Arme gegriffen hätten ihm seine Eltern und der Heimatverein, außerdem habe er Trainerstunden gegeben und sich einen privaten Sponsor gesucht. „Vom Verband kam gar nichts.“

Auf Rosen gebettet, ist auch der TC Blau-Weiß nicht. „Es war nicht so einfach, ein vernünftiges Budget aufzustellen. Wir haben dennoch einige neue Sponsoren gewinnen können, mussten insgesamt aber leichte Abstriche machen“, erklärt Volker Henn-Anschütz vom Initiativkreis des Clubs.

„Das Brot wird immer härter“, bestätigt Marc Raffel vor dem Hintergrund, dass der Leistungssport im Rhein-Kreis sich mit Insolvenzen und freiwilligen Bundesliga-Rückzügen im steilen Sinkflug befindet. Hinzu komme beim TC Blau-Weiß, dass die mit viel Mühe gescouteten jungen Spieler, die nicht ganz so hohe finanzielle Ansprüche hätten, regelmäßig abgeworben würden. Raffel: „Wenn die reichen Clubs mit ihren dicken Schecks wedeln, sind uns die Hände gebunden. Aber dadurch darf man sich nicht abschrecken lassen.“