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Handball: Neusser HV gibt ein Lebenszeichen

Handball: Neusser HV gibt ein Lebenszeichen

Korschenbroich verliert das Kreisduell mit 22:30 und auch noch Tom Wolf mit einem Wadenbeinbruch.

Neuss. Der TV Korschenbroich entwickelt ein kaum glaubliches Talent, Schlusslichter wach zu küssen: Drei Wochen nach der 21:23-Schlappe gegen den Soester TV gestatteten die Korschenbroicher dem Neusser HV mit dem verdienten, am Ende aber zu hoch ausgefallenen 30:22 (Halbzeit 15:11) gleichfalls den ersten Auswärtssieg dieser Saison und stecken jetzt selbst ganz tief im Abstiegsschlamassel der Dritten Liga West.

Anders als bei der Blamage gegen den Aufsteiger scheiterte der TVK im Kreisduell vor 593 Zuschauern (darunter mehr als 100 aus Neuss) jedoch nicht an einer Mischung aus Selbstüberschätzung und Harmlosigkeit.

Sondern an einer inzwischen mit Händen greifbaren Verunsicherung, die im Verbund mit der misslichen personellen Lage — in Marcel Görden blieb der Kopf der Mannschaft wegen kurzfristig aufgetretenen Kniebeschwerden 56 Minuten lang auf der Bank, nach 22 Minuten musste in Tom Wolf der einzig vorhandene Rückraumshooter ins Krankenhaus, wo sich der Verdacht auf Wadenbeinbruch bestätigte — zu einer streckenweise hilflosen Vorstellung führte.

Und er scheiterte an einem Lokalrivalen, der diesen immens wichtigen Sieg offenbar um ein Quäntchen mehr wollte als die Hausherren und der deren Schwächen schließlich gnadenlos ausnutzte.

„Wir haben seit Wochen hart daran gearbeitet, dass der Knoten platzt. Dass er das ausgerechnet im Kreisduell tut, ist um so schöner“, stellte NHV-Trainer René Witte fest. Der in einer eher niveauarmen, dafür mit harten Bandagen (12:18 Strafminuten) geführten Auseinandersetzung davon profitierte, in Ivan Cosic (9/4) und Christopher Klasmann (8/1) genau über jene Rückraumshooter zu verfügen, die dem TVK derzeit fehlen.

Wie es in dieser Hinsicht angesichts von drei Monaten Zwangspause für Tom Wolf weitergehen soll, da besteht in den nächsten Tagen wohl erhöhter Beratungsbedarf bei den Korschenbroicher Verantwortlichen. Ohne eine Verstärkung auf dem Parkett droht der TVK im Abstiegskampf unterzugehen — mit 22,5 Toren, die die Korschenbroicher im Schnitt in den letzten sechs Partien erzielten, dürfte kaum ein Drittliga-Spiel zu gewinnen sein.

Schnellschüsse auf dem Transfermarkt oder gar Auslandsanleihen schließt Kai Faltin freilich energisch aus: „Natürlich ist die Lage ernst, aber wir bleiben unserer eingeschlagenen Linie treu“, sagt der TVK-Manager, der als erste Bürgerpflicht beim „Hand-Ball-Herz“-Team ausgibt: „Wir müssen die Ruhe bewahren.“

Da befindet er sich auf einer Linie mit Ronny Rogawska. Dem Trainer schlägt weniger die magere Punktausbeute — in der einstigen „Waldsporthölle“ brachten seine Schützlinge gerade mal drei Zähler aus sechs Spielen zustande — als vielmehr die Personalsituation aufs sonst so sonnige Gemüt: „Immer wenn einer zurück kommt, fällt der nächste aus. Ich habe doch inzwischen mehr verletzte Spieler als gesunde.“ Das, sagt der Däne, wirke sich besonders im Training nachteilig aus: „Du kannst doch gar keine Automatismen und Auslösehandlungen einstudieren, weil du nie dieselben Leute auf dem Feld hast. Das muss ja zu Verunsicherung führen.“

Ein Teufelskreis, der schon manchem im Abstiegskampf zum Verhängnis geworden ist. Vor allem dann, wenn er wie der TVK mit ganz anderen Zielen in die Spielzeit gestartet ist. Kai Faltins Aussage: „Keine Sorge, wenn wir wieder komplett sind, holen wir noch die Punkte, die wir brauchen,“ klingt da schon ein bisschen wie das berühmte Pfeifen im Walde.