Fußball/VfR Neuss: Mit Thiele aus dem tiefen Tal

Fußball/VfR Neuss: Mit Thiele aus dem tiefen Tal

Ehemaliger Bundesligaprofi wird Trainer beim Bezirksligisten VfR Neuss.

Neuss. Die Fans nannten ihn wegen seiner Kopfballtore früher schlicht „Schädel“. Günter Thiele hat für Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach zwischen 1979 und 1989 in 191 Bundesligaspielen 58 Treffer erzielt. Jetzt kehrt Thiele, der in zwei Wochen 50 Jahre alt wird, zu seinem Jugendverein zurück: dem VfR Neuss.

Wie es zu der Verpflichtung kam, will VfR-Präsident Reinhard Josef Wendt erst nach dem 1. November verraten. Es sei den Kontakten des kommissarisch eingesetzten Sportlichen Leiters Fani Elevtheriadis zu verdanken, dass Thiele ab dem 3. November das Training bei dem Traditionsklub übernehmen wird — mehr sagt Wendt nicht.

Dass bei dem hoffnungslos abgeschlagenen Bezirksliga-Schlusslicht frischer Wind vonnöten ist, zeigt bereits der Blick auf die Tabelle: Mit null Punkten und 5 :54-Toren strebt der Landesliga-Absteiger nach zehn Spieltagen auf direktem Weg der Kreisliga entgegen.

Gegen den VfL Jüchen musste die Partie beim Stand von 0 : 10 abgebrochen werden, weil die Neusser wegen einiger Verletzungen zur zweiten Halbzeit keine sieben Spieler mehr aufbieten konnten. Nach dem 0 : 14 gegen die Spvgg Odenkirchen muss das 2 : 3 am Sonntag gegen den SSV Delrath schon als Erfolg gewertet werden.

Nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens im September sollte auch sportlich der Neuanfang in der Bezirksliga gelingen. Doch die neue Mannschaft erwies sich als komplett überfordert. Geld konnte der VfR nicht zahlen, so blieb auch die Qualität aus. Aus dem Umfeld des Vereins ist zu hören, dass man ab dem Winter in der Lage sei, auf die unbefriedigende Situation zu reagieren. Einzelheiten dürfte der VfR nächste Woche mitteilen.

Mit Günter Thiele hat der der notorisch klamme Klub zumindest schon mal einen namhaften Coach. Bereits vor der Saison wurde gemunkelt, dass der gebürtige Neusser an die Hammer Landstraße zurückkehren könnte.

Thiele spielte nach seiner Bundesligazeit noch vier Jahre in Venezuela und war später sogar kurze Zeit als Assistenztrainer der venezolanischen Nationalmannschaft tätig. 2002 kehrte er nach Deutschland zurück und gründete eine Fußballschule. Der Ex-Profi war als Jugendcoach tätig und trainierte zuletzt auch den ASC Ratingen-West in der Kreisliga B. Bleibt zu hoffen, dass die sportliche Talfahrt des VfR nicht in eben dieser Liga ihren vorläufigen Tiefpunkt erfährt.

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