Alexandra Selzer - Laufen, weil es Spaß macht

Alexandra Selzer - Laufen, weil es Spaß macht

Porträt: Sie knackt Rekorde, obwohl der Leistungssport ihr nicht behagt. Alexandra Selzer gilt als großes Leichtathletik-Talent.

Neuss. "Alles, was mit Laufen zu tun hat, macht mir einfach Spaߔ, sagt die 14-jährige Alexandra Selzer (DJK Rheinkraft Neuss). Dabei bestreitet sie gar nicht so gerne Wettkämpfe. So ging sie am vergangenen Sonntag in Willich auch erst mit einem langen Gesicht zum Start des Laufes über 300 Meter. Zuvor war Alexandra Selzer schon über 100 Meter in 12,91 Sekunden Bestzeit gelaufen, konnte sich darüber aber nicht so richtig freuen. "Weil beim Weitsprung alles schief gelaufen ist."

Bei Gegenwind war ihr der ersehnte erste Sprung über die Fünf-Meter-Marke nicht gelungen (nur 4,80 Meter). Also kochte sie vor den 300 Metern vor Wut - und gewann das Rennen überlegen in neuer Kreis-Rekordzeit von 42,08 Sekunden. "Damit bin ich nicht zufrieden, ich wollte eigentlich unter 42 Sekunden laufen", schimpfte sie hinterher.

Dabei hat die ehrgeizig wirkende Athletin mit Hochleistungssport nur wenig am Hut: "Eigentlich mag ich keine sportlichen Wettkämpfe." Mit dieser Aussage verblüfft die sehr gute Schülerin (Zeugnis-Durchschnitt 1,5) immer wieder ihren Trainer Guido Kluth, der aber mit den wechselnden Launen von Alexandra umzugehen weiß. "Wenn sie begreift, was wirklich in ihr steckt und was sie mit Training alles erreichen kann, wird sie es sehr weit bringen", sagt Kluth.

Alexandra Selzer geht gerne bis zu dreimal die Woche zum Training auf den Neusser Wolker-Anlagen an der Weberstraße, auch wenn sie dort keine optimalen Bedingungen vorfindet. Weder gibt es eine Kunststoff-Laufbahn noch Anlaufbahnen aus Kunststoff für den Weitsprung. Aber das nimmt sie in Kauf.

Ihre Freizeit ist mit Inlineskaten, Musikschule und Tanzkurs (Standard) gut ausgefüllt. Außerdem gibt es noch ihre elfjährige Schwester Antonia. Ihre Eltern stehen voll hinter den sportlichen Aktivitäten der Tochter und unterstützen sie. Und natürlich gibt es dann auch viel Lob, wenn Alexandra wie am Sonntag in Willich wieder mal besonders tolle Leistungen erbracht hat.

Erstmals in den Blickpunkt war die damals noch 13-Jährige bei den Nordrhein-Hallenmeisterschaften im März in Düsseldorf gerückt, als sie den ersten Zeitlauf über die 800 Meter in 2:29,34 Minuten gewann. Viele der Zuschauer hätten sich jedoch gewünscht, dass Alexandra im zweiten, stärkeren Lauf gestartet wäre, dann wäre eine Medaille für sie möglich gewesen. So unterboten dann anschließend noch vier Läuferinnen ihre Bestzeit.

Inzwischen hat Alexandra bereits 2:25,97 Minuten auf dieser Strecke geschafft. Für die am kommenden Sonntag in Betzdorf an der Sieg anstehenden Westdeutschen Schülermeisterschaften hat sie die Normen erreicht, wird aber nicht starten, weil sie mit 14 Jahren noch zu jung ist. Alexandra regt das ohnehin nicht auf: "Ich will einfach nur laufen. Und zwar möglichst schnell."

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