Sonderausstellung im Tuppenhof: Gar lustig war das Landleben

Sonderausstellung im Tuppenhof: Gar lustig war das Landleben

Der Tuppenhof zeigt, wie Bauern früher ihre Feste feierten.

Kaarst. Nichts könnte besser zeigen, wie Bauern früher ihre Feste als feucht-fröhliche Trinkgelage zelebrierten, als Pieter Bruegels Gemälde „Die Bauernhochzeit“, entstanden Mitte des 16. Jahrhunderts.

Die Krüge werden unentwegt mit Bier nachgefüllt, Männer tragen auf einer Holztüre Teller mit Brei zu dem langgezogenen Tisch, auch für Musik ist gesorgt.

Dieses Bild und zusätzlich vergrößerte, mit Kommentaren versehene Ausschnitte davon bilden den Anfang der Sonderausstellung im Tuppenhof, die sich mit dem nicht immer ganz jugendfreien Verhalten der Bauern während ihrer Festivitäten ab dem 15. Jahrhundert beschäftigt. „Das Landleben war hart, umso mehr freuten sich die Menschen auf die Feste, die den Alltag unterbrachen“, erklärt Kuratorin Britta Spies.

Anlässe gab es genug — und jeweils das passende Bier dazu: Zur Geburt eines Kindes wurde Kindelbier gereicht, beim Richtfest Fensterbier und im Todesfall Leichenbier. Nimmt man Weihnachten, Hochzeiten, Fastnacht oder Schützenfest hinzu, lässt sich leicht ausmalen, dass die Krüge nur selten trocken blieben.

Dass nach zunehmendem Genuss die ohnehin nur peripher vorhandene Kinderstube gänzlich in Vergessenheit geriet, störte keinen wirklich. Auf Abbildungen wurde hemmungsloses Rumgeknutsche ebenso für die Nachwelt festgehalten wie wildes Tanzen. Und auch der „kotzende Bauer“ war ein beliebtes Motiv jener Zeit.

„Bier wurde sogar als Grundnahrungsmittel betrachtet, man denke nur an die mit Milch und Rosinen angereicherte Biersuppe. Im Gegensatz zu Schnaps, der von der Obrigkeit sanktioniert und als Getreideverschwendung angesehen wurde“, sagt Spies.

Bier — am Niederrhein natürlich vor allem obergäriges Altbier — habe jahrhundertelang als idealer Durstlöscher gegolten. „Es war ein schmackhaftes Getränk in Zeiten, in denen das Wasser oft schmutzig, die Milch nicht haltbar, Kaffee oder Tee nicht bekannt und Cola noch nicht erfunden waren“, erzählt Spies.

Dennoch widmet sich die Ausstellung auch diesen später immer beliebter werdenden Alternativen. So erhält etwa der Kaffee eine Sonderfläche. Auch das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz. Zahlreiche Fotos, die vom Stadtarchiv zur Verfügung gestellt wurden, geben Einblick in die Kneipenlandschaft um 1900 in Kaarst, Vorst oder Büttgen.

Aus Anlass der Sonderausstellung bietet der Tuppenhof auch ein abwechslungsreiches Begleitprogramm an. Das Ferienspaßprogramm für Kinder steht passend zur Ausstellung unter dem Motto „Wie feiert man auf dem Land?“. Am Samstag, 24. August, lädt der Tuppenhof zudem zu einem Familientag ein. Die Ausstellung (bis 8. September) wird am Sonntag um 11 Uhr eröffnet.

Öffnungszeiten: Samstag von 14 bis 18 Uhr, Sonntag von 11 bis 18 Uhr

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