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Pflege in Kaarst: "Die Töchter werden oft gefressen"

Pflege in Kaarst : Gesprächskreis soll pflegende Angehörige seelisch unterstützen

Pflegende stoßen oft an die Grenzen ihrer Belastbarkeit oder überschreiten diese. Ein neues Angebot in Kaarst soll helfen.

In Bezug auf pflegende Angehörige ist sich Gerda Linden, ehemalige Leiterin einer Fachschule für Altenpflege, sicher: „Die Töchter werden oft gefressen!“ An ihnen hänge in den meisten Fällen die Pflege und Versorgung alt gewordener Eltern oder anderer Verwandter. Wenn auch mittlerweile bis zu 30 Prozent der Söhne in die Pflege ihrer Eltern mit eingebunden sind, weiß Elisabeth Bubolz-Lutz, Professorin für Geragogik (Teilgebiet der Pädagogik, das das Lernen mit und über Alter erforscht) an der Universität Duisburg-Essen. Beide Damen haben sich für die Initiierung eines Gesprächskreises für pflegende Angehörige stark gemacht. „Diese nehmen noch keine professionelle Hilfe in Anspruch, brauchen aber womöglich selbst seelische Unterstützung“, erklärt Linden.

Am 18. Dezember gibt
es einen Infoabend

Bubolz-Lutz berichtet, dass Menschen durchschnittlich 8,2 Jahre ihre Angehörigen pflegen und dabei ihre Kräfte verbrauchen. Die Gefahr, dass man sich dabei verausgabt, ist groß: Oft lasse falsch verstandene Selbstaufopferung die Pflegenden selbst zum Pflegefall werden, erklärt Bubolz-Lutz: „Es ist immer einfacher, Hilfe zu geben als selbst anzunehmen.“ Zudem gelte es als Tabu, über Schwierigkeiten und Belastungen der häuslichen Pflege zu sprechen. In Deutschland sei das eher ein privates Thema, während es beispielsweise in den Niederlanden ganz selbstverständlich das Gemeinwesen betreffe.

Der Gesprächskreis im Rahmen der Quartiersinitiative „Älterwerden in Büttgen“ soll den Charakter einer Selbsthilfegruppe entwickeln, in der sich die Angehörigen offen über ihre Situation und die damit verbundenen Schwierigkeiten austauschen können. Linden wird als Moderation fungieren, Bubolz-Lutz als wissenschaftliche Begleitung Unterstützung leisten. Angestrebtes Endziel für die Teilnehmer: gegenseitiges Stärken und ein selbstständiges Verändern der Situation in einer „Atmosphäre der Akzeptanz“, so Linden. Es soll dazu ermutigt werden, bei Notwendigkeit auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Wir verstehen uns als Brückenbauer und Lotsen“, sagt Linden.

Die Treffen finden im (gemieteten) Gemeindezentrum der evangelischen Johanneskirche in Büttgen, Novesiastraße 4, statt und sind für alle offen – unabhängig von Religionszugehörigkeit und eventuellem Pflegegrad des zu Betreuenden. Das Angebot ist kostenlos. Ein Infonachtmittag beginnt am 18. Dezember um 17 Uhr.

Außerdem bietet die Quartiersinitiative eine Qualifizierung als ehrenamtlicher Pflege- und Seniorenbegleiter an. Die Infoveranstaltung dazu findet am 7. Dezember ab 17 Uhr ebenfalls im Gemeindezentrum der Johanneskirche statt.