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Onlinesucht: Wenn mächtige Magier Schulprobleme haben

Onlinesucht: Wenn mächtige Magier Schulprobleme haben

Die Caritas informierte Pädagogen über Internet-Rollenspiele.

Kaarst. Im Anfangsstadium leiden die sozialen Kontakte. Die Schulnoten können schlechter werden. Wenn die Suchterkrankung richtig zuschlägt, brechen die Betroffenen die Schule ab oder verlieren ihren Arbeitsplatz. Irgendwann wird nicht einmal mehr die Post hochgeholt. So beschreibt der Experte Michael Knothe die destruktiven Auswirkungen einer Computerspielsucht.

Was sich hinter dem Begriff Online-Rollenspiel überhaupt verbirgt, das wollte jetzt eine Gruppe von Lehrern und Pädagogen genau wissen. Antworten gab das Seminar „Der Kick beim Klick“, veranstaltet von der VHS Kaarst in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt der Stadt und der Fachstelle für Glücksspielsucht der Kreis-Caritas.

Jörg Schneyer war einer der Teilnehmer. Von Beruf ist er Sozialarbeiter an der Realschule Kaarst. Ihn sprechen immer wieder Eltern an und wollen wissen, ob der PC-Konsum ihres Kindes noch normal ist. Er sagt: „Für mich ist es daher wichtig, ein Update von dem zu haben, was im Moment so bei den Jugendlichen angesagt ist.“

Ingrid Dreyer leitet das Jugendzentrum Reformationskirche in Neuss. Dort gibt es ein Internetcafé, wo die Pädagogin beobachtet, wie viel sich bei den Jugendlichen inzwischen ums Thema PC-Spiele dreht. Doch sie sagt: „Das ist eine Welt, die mir fremd ist. Schließlich bin ich nicht damit groß geworden.“

Michael Knothe und Verena Verhoeven von der Caritas des Rhein-Kreises Neuss versuchten Licht ins Dunkel der fantastischen Spielwelten zu bringen. Ein Beispiel: In dem bekannten Internet-Spiel „World of Warcraft“ verabreden sich die Spieler als Gruppe, um gewisse Aufgaben (Quests) gemeinsam zu absolvieren. Knothe sagt: „Wenn sie ihren Sohn da plötzlich rausholen, ist das so, als wenn sie ihn mitten im Fußballspiel für die Hausaufgaben vom Platz holen. Da wird er sich von seinen Teamkameraden einiges anhören müssen.“

Knothe und seine Kollegin Verhoeven wissen jedoch auch, dass Spieler, die früh in die fiktive Welt von Online-Spielen abgleiten, die reale Welt schnell vernachlässigen. Verhoeven, Leiterin der Fachstelle Glücksspielsucht, sagt: „Ich würde die Abhängigen am ehesten mit Heroinsüchtigen vergleichen.“ Beide Abhängigkeiten würden die Persönlichkeitsentwicklung stören.

Seit Anfang 2010 gibt es bei der Caritas eine Selbsthilfegruppe für Internet-Spielsucht. Zurzeit hat die Gruppe 50 Teilnehmer aus dem Kreis — Tendenz steigend. Verhoeven: „Das sind alles junge Männer im Alter von 17 bis 30 Jahren, die ein Problem mit Online-Rollenspielen haben.“ Ein wichtiger Faktor unterscheide sie von anderen Abhängigen: „Die Rollenspielsüchtigen sind in ihrer Welt gut vernetzt. Dort haben sie unter Umständen viel Macht und Verantwortung.“ Das reale Leben, in dem diese Erfolge ausbleiben, werde dadurch immer uninteressanter.