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Museum: Neue Bewohner auf dem Tuppenhof

Museum: Neue Bewohner auf dem Tuppenhof

Ab sofort führt die Zeichentrickfigur Gertrud durch die heimatkundliche Ausstellung auf dem alten Vierkanthof.

Kaarst. Gertrud ist zehn Jahre alt und lebt mit ihrer Familie auf dem Tuppenhof. Nach der Schule hilft sie ihrer Mutter beim Sauerkrautstampfen, Wäsche waschen und kümmert sich um die Tiere. Die Brüder und der Vater arbeiten auf dem Feld. So oder so ähnlich hat das Leben von Maria Gertrud Schmitz vor mehr als 100 Jahren auf dem Vierkanthof in Vorst ausgesehen. Heute führt Gertrud als Zeichentrickfigur die jungen Besucher über ihren Hof und erklärt auf großen Schildern, wie man früher gelebt hat.

Museumsmitarbeiterin Britta Spies hat sich Gertrud zum Sprachrohr gemacht, als sie damit begann, die heimatkundliche Ausstellung des kleinen Freilichtmuseums für Kinder neu zu konzipieren. „Gertrud wurde tatsächlich 1897 auf dem Hof geboren“, sagt Spies. „Wir haben sogar noch originale Schulhefte von ihr.“

Auf neu gestalteten Texttafeln erklärt Gertrud Kindern und Eltern beispielsweise, wie früher geschlachtet wurde. „Viele Kinder wissen heute nicht mehr, wo das Fleisch, das auf ihrem Teller landet, her kommt“, sagt Spies. Einen Raum weiter, in der Waschküche, können Kinder ausprobieren, wie schwer es war, zehn Liter Wasser vom Brunnen ins Haus zu tragen. Auf der Leine hängt die Unterwäsche der Oma neben Gertruds Schürze und einem Erntekleid, das auch anprobiert werden darf — Ein erlebbares Bilderbuch für Eltern und Kinder.

Der Auslöser für die Umgestaltung der Ausstellung und den Entschluss, den Fokus speziell auf die kleinen Besucher zu legen, war für Britta Spies eine einfache Beobachtung: „Museum und Kinder, das passt ja oft nicht gut zusammen“, sagt sie. „Die Kleinen dürfen nichts anfassen und langweilen sich schnell.“ Selbst auf dem Tuppenhof sei den Kindern zuletzt nicht mehr genug geboten worden. „Es reicht heute nicht mehr, das Kind mit einem Bilderbuch zu beschäftigen“, sagt Spies.

Mit der Bewilligung von Fördermitteln in Höhe von 10 000 Euro durch den Landschaftsverband Rheinland konnte sich Spies zusammen mit der Museumspädagogin Katrin Rau und dem Illustrator Kevin Rupprecht das neue Konzept überlegen und sogar einige Neuanschaffungen tätigen. So steht im Garten hinterm Bauernhaus nun eine Kuh, zwar aus Kunststoff, aber in Originalgröße und mit einem Euter, den die Besucher melken dürfen.

Auch ein echter Traktor, gespendet von den Treckerfreunden Sinsteden, ist neu auf dem Hof, ebenso ein Hofhund, der zwar ebenfalls aus Kunststoff ist, aber dafür auch nicht bellt oder beißt.

Mitmachstationen, Bastelutensilien passend zur Ausstellung und ein Kräutergarten, der noch im Aufbau ist, sorgen zusätzlich dafür, dass sich auf dem Tuppenhof wohl so schnell kein Kind mehr langweilt.

Morgen zwischen 11 und 18 Uhr lädt das Team des Tuppenhofes dann Kinder und Eltern ein, Gertrud kennen zu lernen. Der Eintritt ist frei.