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Klaus der Geiger soll irritieren

Klaus der Geiger soll irritieren

Der Straßenmusiker war zu Gast bei der Künstlergruppe Salix auf dem Tuppenhof. Nächstes Projekt der Gruppe: Eine Skulptur.

Kaarst. Die grauen, etwas lichten Haare wehen im Wind. Gekleidet in ein kariertes Hemd und eine pinkfarbene Latzhose fällt der Geiger auf dem Tuppenhof, umgeben von den Salix-Künstlern und deren Freunden und Förderern, sofort auf. Er spielt Geige, singt „. . . . der Mann sitzt in der Chefetage, er kennt kein Gewissen; das sitzt in der Tasche . . .“ — das Publikum klatscht begeistert. Es ist Klaus der Geiger, mancher Köln-Besucher wird ihn noch von der Schildergasse kennen, die früher sein bevorzugter Auftrittsort war.

Anlass des Auftritts war die Herbstbegegnung der seit 33 Jahren bestehenden Kaarster Künstlervereinigung Salix, die jährlich ihre Freunde und Förderer einlädt. Teil dieser Herbsttreffen ist immer auch ein interdisziplinäres künstlerisches Programm, sei es eine Lesung, Theater oder Musik. „Da wir mit unserer Kunst nicht nur ästhetische Bedürfnisse befriedigen, sondern auch irritieren wollen, war Klaus der Geiger genau die richtige Wahl“, sagt Elke Beyer, eine der Salix-Künstlerinnen.

Burkhard Siemsen, Gründungsmitglied der Salix, kennt Klaus von Wrochem, wie der Geiger mit vollem Namen heißt, bereits seit einem Kulturfest zuzum Thema Vietnam 1972. Er sei kein gefälliger Musiker, sondern politisch und sinnlich. So spielt und singt der 71-Jährige, begleitet von seiner Tochter auf der Gitarre, von der „schweigenden Mehrheit“, mit der man Wahlen gewinne, und das Lied vom gewissenlosen Mann aus der Chefetage, welches er gemeinsam mit den Bläck Fööss eingespielt hat. Nach einer Beschwerde haben diese das Lied aus ihrem Repertoire gestrichen — Klaus aber singt es weiter.

Das nächste Projekt der Salix-Gruppe soll im Dezember auf der Kreisverkehrsinsel an der Hubertusstraße in Kaarst-Büttgen zu sehen sein. Die Europa-Skulptur, die von der Sparkassenstiftung des Rhein-Kreises Neuss beauftragt wurde, stammt von Rose Köster, Christoph Rehlinghaus und Burkhard Siemsen. „Durch die Bürokratie hat sich die Fertigstellung immer wieder nach hinten verschoben, aber den Dezember-Termin werden wir halten“ verspricht Siemsen.

Vor ein paar Tagen hat Siemsen mit Köster und Rehlinghaus das Stahlwerk Safranek in Viersen besucht, wo die Stahlteile der Skulptur gefertigt werden sollen. „Europa“ wird aus einer 8,20 Meter hohen Stele bestehen, um die sich eine ein Meter breite Wendel schlängeln wird. Die sich nach oben verjüngende Stele soll die Unendlichkeit und die nie endende Geschichte Europas darstellen.

Die Wendel wird mit 12 aus gelbem Glas gefertigten Symbolen versehen werden, die zum Beispiel die Gesetzestafeln Moses, Karl den Großen oder das Pentagramm darstellen. Abends sollen die Symbole beleuchtet werden und den abendländisch-christlichen Hintergrund des heutigen Europa wiedergeben.