Kaarst: Zweiter Anlauf für kommunales Praktikum

Kaarst nimmt Meerbusch als Vorbild : Politik gibt Praktikum neue Chance

2018 fiel ein Projekt, in dem Schüler die Kommunalpolitik kennenlernen sollten, ins Wasser. Jetzt wollen die Fraktionen es doch.

Schüler nehmen an Fraktionssitzungen teil, spielen Ausschusssitzungen nach oder erleben eine Ratssitzung hautnah. Das alles war im Projekt „kommunalpolitisches Praktikum“ für den Sommer 2018 geplant. Was fehlte, waren die Schüler. Aus mangelnder Resonanz wurde das Projekt, das in Zusammenarbeit mit der VHS angeboten wurde, sowohl in Kaarst als auch in Meerbusch abgesagt. Nun kündigt die CDU an, die Verwaltung im nächsten Jugendhilfeausschuss dazu aufzufordern, einen zweiten Anlauf zu wagen. Der Grund: Die Stadt Meerbusch hat sich von dem gescheiterten ersten Versuch nicht entmutigen lassen und Ende des Jahres einen weiteren Versuch unternommen – mit großem Erfolg.

Ein Argument für das Praktikum ist die überschaubare Zeitspanne

„Wir halten das kommunalpolitische Praktikum für einen sehr guten Gedanken im Hinblick auf Jugendpartizipation, denn gerade in der heutigen Zeit müssen Vereine und Organisationen immer wieder feststellen, dass es schwer ist, junge Menschen für längere Zeit zu binden“, sagt Sven Ladeck, das zweitjüngste Ratsmitglied und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten. Das Praktikum biete einen tiefen Einblick in die Arbeit der Ausschüsse, des Rates und der Fraktionen und sei von der Zeit her überschaubar, meint Ladeck. Die Stadt sollte sich nicht entmutigen lassen, nur weil es beim ersten Anlauf nicht sofort geklappt habe.

Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus erklärt, dass die Stadt „selbstverständlich“ einen zweiten Anlauf wagen werde, sollte es einen politischen Beschluss geben. Ihrer Meinung nach ist das Interesse der Jugend an der Kommunalpolitik groß. „Nach meiner Wahrnehmung interessieren sich sehr viele junge Kaarster für kommunalpolitische Themen. Sie engagieren sich vielleicht mehr in der Sache und weniger in den Parteien“, so Nienhaus. Sie glaubt, dass politisches Engagement meist aus persönlicher Betroffenheit oder einem gemeinsamen Interesse entsteht. „Bestes Beispiel sind die weltweiten Klimaproteste der Jugend. Die lokale Ebene ist besonders geeignet, um persönliches Engagement in Ergebnisse umzusetzen. Ein Praktikum kann dabei helfen, Entscheidungsprozesse transparenter zu machen und Einblicke in die politischen Abläufe zu geben“, sagt Nienhaus.

Auch die anderen Fraktionen stehen einem weiteren Versuch positiv gegenüber. „Ausgewählte Paten in unserer Fraktion stehen bereit, um sich der interessierte Schülerinnen und Schüler anzunehmen und sie in die interessante Welt der Kommunalpolitik einzuführen“, sagt Günter Kopp (FDP). Anneli Palmen meint, dass es einen festen Ansprechpartner in der Verwaltung geben müsse, der „intensiv mit den Schulen zusammenarbeitet“. Junge Menschen an Politik heranzuführen, ist für die SPD-Vorsitzende „das Gebot der Stunde“. Christian Gaumitz (Grüne) sieht seine Partei als „einzige Stimme, die für die Lobby der Jugendlichen streitet“. Die CDU lehne seit rund 15 Jahren ein Jugendparlament ab. Die Grünen sind überzeugt, dass die Verwaltung für die Beteiligung von Jugendlichen an der Kommunalpolitik mehr Personal einsetzen und Strukturen schaffen müsse. „Nur so kann man dauerhaft Jugendliche für unsere Demokratie begeistern“, sagt Gaumitz.

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