1. NRW
  2. Rhein-Kreis Neuss
  3. Kaarst

Kaarst: Streit um sozialen Wohnungsbau im Maubiscenter

Geplante Wohnungen über dem Pennymarkt : Zoff um Wohnungen über Pennymarkt

Die Investoren wollen über dem Pennymarkt keine sozial geförderten Wohnungen bauen.

(seeg) Nachdem die Verwaltung den Auftrag der Politik erhalten hat, mit dem Eigentümer des Wohnkomplexes über dem Pennymarkt im Maubiscenter Kontakt aufzunehmen und über öffentlich geförderten Wohnraum zu verhandeln, hatte die Technische Beigeordnete im Planungsausschuss keine guten Nachrichten: Der Eigentümer sieht keinen Grund für diese Wohnform über dem Supermarkt in der Stadtmitte. „Das Thema öffentlich geförderter Wohnungsbau ist für den Eigentümer keine Option“, sagte Sigrid ­Burkhart.

Das sorgte vor allem bei Anja Rüdiger, Fraktionsvorsitzende der UWG, für Entsetzen. Die Eigentümer hatten begründet, dass in ihrem Lebensalter eine Zweckbindung von 20 Jahren nicht mehr gerechtfertigt sei und eine Refinanzierung der Investitionssumme für die Wohnungen durch Vermietung „in absehbarer Zeit“ nicht möglich wäre, wie es in der Vorlage der Verwaltung heißt. „Die Begründung des Eigentümers finde ich merkwürdig“, sagte Anja Rüdiger. Geförderte Wohnungen seien durchaus lukrativ. „Wir brauchen in Kaarst dringend Wohnraum für jeden. Dann müssen wir uns für den Lebensmittelmarkt etwas anderes einfallen lassen und können diese Maßnahme nicht durchführen. Dann geht Penny da raus und wir müssen schauen, dass wir an einer anderen Stelle in der Stadtmitte einen Lebensmittelmarkt bekommen“, so Rüdiger weiter. Die Begründung der Eigentümer seien eine Art „Erpressung“, bezahlbarer Wohnraum sei für die Stadt immens wichtig.

Auf rund und 800 Quadratmeter soll der Markt vergrößert werden

Diese Aussagen sorgten für Kopfschütteln bei den anderen Parteien. „Frau Rüdiger, ich traue meinen Ohren fast nicht mehr. Es gibt einen Investor, der einen hohen Betrag zum Wohle der Kaarster investieren will“, sagte Ingo Kotzian (CDU). „Sie wollen doch den Kaarster Bürgern nicht erklären, dass der nächste Nahversorger zumacht.“

Günter Kopp (FDP) schloss sich der Kritik an. „Wir wollen die Innenstadt schöner machen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir jetzt wegen zwei nicht sozial geförderter Wohnungen einen Rückzieher machen“, sagte er und schlug vor, an anderer Stelle geförderten Wohnraum zu bauen. Claude Köppe sieht die Politik nicht in der Pflicht, lukrative Geschäfte für Investoren zu bereiten, sondern Wohnraum für die Bürger zu schaffen. „Wir haben viele private Investoren. Es geht nicht nur um Gewinnmaximierung der Wohnungseigentümer“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Der Pennymarkt in der Stadtmitte soll um 235 auf mehr 800 Quadratmeter erweitert werden. Das Gebäude soll um zwei Stockwerke wachsen, in denen Wohnungen entstehen sollen. Am Ende wurde dieses heiße Thema erneut auf den nächsten Ausschuss vertagt.