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Kaarst: Streit um Gedenkstele für zivile Kriegsopfer

Kriegstote in Kaarst : Parteien streiten über Gedenkstele

Die Gedenktafel am Kriegerehrenmal an der Friedensstraße ist nicht komplett.

Die Stadt Kaarst wird am Samstag, 8. Mai, allen Opfern des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges gedenken. Im Vorfeld gibt es nun Diskussionen um die Gedenktafel auf der Rückseite des Ehrenmals. Ein SPD-Antrag für den Hauptausschuss am Donnerstag sieht vor, dass die Verwaltung sich dazu bekennt, „allen Opfern des Nationalsozialismus den ihnen gebührenden Respekt zu erweisen und das Andenken an sie zu bewahren“. Das heißt: Die Sozialdemokraten fordern, dass die fehlerhafte Gedenktafel berichtigt und mit den zivilen Opfern ergänzt wird. Damit wäre der Bürgerantrag von Josef Johnen, der eine eigene Stele für die zivilen Kriegsopfer auf dem Kaarster Friedhof errichten will, hinfällig, da die Namen dieser mit auf der Gedenktafel am Kriegerdenkmal aufgeführt werden sollen. Dazu müsse möglicherweise eine neue Tafel errichtet werden, die Kosten dafür könnten laut SPD aus der Haushaltsstelle „Gedenkstele Zivile Opfer“ entnommen werden.

Grüne fordern Überprüfung auf Mitgliedschaft in der NSDAP

Die Sozialdemokraten merken an, dass der Verwaltung bereits seit August 2018 eine ausführliche Liste der Kaarster Kriegstoten vorliegt, die durch die Arbeitsgruppe Kriegerdenkmal erstellt und vom Arbeitskreis Stadtgeschichte überprüft worden sei und heute die einzige historische „weitgehend gesicherte Aufstellung aller Kriegstoten aus Kaarst“ sei. In dieser Liste sind auch die Namen von zivilen Opfern genannt. Eine Korrektur der jetzigen Gedenktafel sei demnach „unausweichlich“, heißt es in dem Antrag.

Die CDU sieht das ein wenig anders. „Wir halten es für sinnvoll, die zivilen Opfer von den Opfern militärischer Streitkräfte gesondert und insofern herausgehoben zu behandeln“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Lars Christoph. Der SPD-Antrag sei auf die Verhinderung dieser Stele auf dem Friedhof gerichtet. „Es ist zu bedenken, dass die Zivilbevölkerung die Leidtragende militärischer Konflikte ist. Insofern macht eine gesonderte Gedenkstele Sinn“, so Christoph weiter. Auch Josef Johnen kann den Antrag der SPD nicht nachvollziehen. „Ich finde es nicht gut, alles in einen Topf zu werfen. Man sollte der Gruppe von Zwangsarbeitern und Menschen, die durch den Einmarsch der Alliierten in Kaarst zu Tode gekommen sind, ein eigenes Denkmal setzen“, sagt er. Die Stele, auf der dann 16 oder 17 Namen stehen werden, könne laut Johnen vor den Kriegsgräbern auf dem Friedhof errichtet werden.

Die Grünen gehen sogar noch einen Schritt weiter und haben ihrerseits einen Antrag auf die Tagesordnung setzen lassen. Demnach sollen alle Personen, die die CDU auf der Gedächtnisstele namentlich erwähnen lassen will, beim Bundesarchiv in Berlin auf ihre Mitgliedschaft in der NSDAP überprüft werden. Alle männlichen Personen sollen überprüft werden, um „mögliche Vergehen oder Bezüge zu Kriegsverbrechen als Mitglieder der Wehrmacht und/oder anderen staatlichen Organen auszuschließen“, heißt es wörtlich in dem Antrag. Das Bundesarchiv bietet eine kostenlose Überprüfung an. Diese Prüfung laufe laut Josef Johnen derzeit. Er ist sich sicher, dass die zivilen Opfer nichts mit dem System des Nationalsozialismus zu tun hatten. „Anhand der Totenscheine kann ich nahezu ausschließen, dass die Betroffenen dem NS-Regime nahestanden“, sagt Josef
Johnen.