Kaarst: So sieht die Schule der Zukunft aus

Zeitzeichen-Team des AEG in Kaarst : Schüler erträumen Zukunfts-Schule 

Das Projekt am AEG ist zum Teil bereits in der Umsetzung. Es sieht einen neuen Garten und eine Sternwarte vor.

Eine Sternwarte auf dem Dach, einen Kletterpark auf dem Außengelände, eine gewölbte Decke über dem Musikraum, dessen Fassaden aus Glas bestehen, um eine besondere Akustik zu erzielen, und ein futuristisches Schülerparlament: Die Schüler des Zeitzeichen-Teams des Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) haben ein Modell entwickelt, wie die Schule in 50 Jahren aussehen soll. Es wurde für den Tag der offenen Tür im Foyer der Schule aufgebaut, um es Eltern und potenziellen neuen Schülern zu präsentieren. „Das Grundkonzept ist eine demokratische Schule, in der die Gleichschaltung von Schülern abgeschafft werden soll“, sagt Kim Holtappels.

Die 17-Jährige ist eines von rund 20 Mitgliedern des Zeitzeichen-Teams. „Wir finden, dass das derzeitige Klassenprinzip nicht produktiv und fair ist, weil nicht jeder die gleichen Kompetenzen in jedem Fach hat“, sagt Holtappels. Die Vision: Jeder Schüler soll nur das lernen, was er möchte.

Die Schüler wünschen sich eine Abschaffung des Klassensystems

„Deswegen wollen wir auch das Klassensystem abschaffen, weil es aus einer Zeit stammt, in der man Menschen nur als Ressourcen angesehen hat“, ergänzt Tom Kobayashi (17). „Der Lehrer soll eigentlich nur noch ein Lernbegleiter sein, und wenn wir bei dem Klassensystem bleiben, kommen wir an dieser Stelle nicht weiter“, sagt Danielle Schulte am Hülse, Teamleiterin und ehemalige Lehrerin am AEG. Sie unterrichtet heute am Gymnasium Gerresheim, ist aber dem Zeitzeichen-Team treu geblieben. Bei der Feier zum 800-jährigen Stadtjubiläum im Rathaus präsentierte das Team sein Projekt und stellte das Ergebnis in der Galerie aus.

Das Modell besteht aus Playmobil-Männchen, selbst gebastelten Papp-Instrumenten, Bäumen aus Krepppapier und einer Fassade, die eher an ein Raumschiff als an eine Schule erinnert. Das Modell ist zwar nur eine Idealvorstellung und deswegen auch in vielen Stellen übertrieben dargestellt, dennoch werden schon heute einige Sachen in der Realität umgesetzt. „Unser ehemaliges Biotop wird jetzt in den Schulgarten umgebaut, den wir auch in das Modell eingebaut haben“, sagt der 14-jährige Sören Stenger. Auch die Idee von sogenannten Schülerfirmen wird am AEG bereits umgesetzt, künftig sollen diese Firmen intensiviert werden.

Mit einem Preisgeld beginnen die Schüler, das Projekt umzusetzen

Für das Modell wurde das Zeitzeichen-Team am 30. Oktober von der Sparkassenstiftung in der Kategorie „U21“ mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet. Das Preisgeld betrug 1000 Euro. „Dieses Preisgeld kann jetzt in eines der Projekte fließen, die wir schon umsetzen wollen. Beispielsweise den Schulgarten oder die Sternwarte, die wir anschaffen wollen“, sagt Schulte am Hülse. Stichwort Sternwarte: „Das klingt utopisch, wirkt aber realistischer als man denkt. Sogar die Bürgermeisterin hat ihre Unterstützung für das Projekt zugesagt“, verrät Schulleiter Bruno von Berg.

Auch Nachhaltigkeit spielt in der Schule der Zukunft eine große Rolle. Dazu haben sich die Schüler Inspirationen von großen Unternehmen im Hinblick auf Sammelbecken für das Dach geholt, in dem Regenwasser aufgefangen und wiederverwendet wird, beispielweise für die Bewässerung von Grünflächen. „Der Aspekt der Nachhaltigkeit wird in Zukunft immer wichtiger“, sagt Kobayashi.

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