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Kaarst: NGZ-Redakteur simuliert Fahrprüfung und fällt durch

Führerscheinprüfung bei Kaarster Fahrlehrer : Nach 19 Jahren geht es zurück in die Fahrprüfung

Der Autor Stephan Seeger testet, was von seinem Fahrschulwissen noch übrig ist – mit überraschendem Fazit.

Geld und Gutscheine waren auch in diesem Jahr wieder die beliebtesten Geschenke der Deutschen. Viele Jugendliche können das gut gebrauchen, um davon ihren Führerschein zu bezahlen, den sie sich für 2020 vorgenommen haben. Ich habe meine Fahrerlaubnis am 23. August 2000 erhalten. Doch würde ich die praktische Prüfung ohne Vorbereitung heute noch schaffen? Zum Glück ist mein Nachbar Fahrlehrer bei einer Düsseldorfer Fahrschule. Heiko Lorenz und sein Kollege Dirk Rom erklärten sich bereit, eine Prüfung zu simulieren – und sie sollten dabei knallhart mit mir ins Gericht gehen.

Auf dem Weg zum Tüv in Düsseldorf grummelt mir der Magen wegen der anstehenden Prüfung. Mir ist schon klar, dass ich sie ohne Vorbereitung wahrscheinlich nicht bestehen werde. Jeder kleinste Fehler wird sofort bestraft. Und dann sitzen auch noch zwei Fahrlehrer im Auto, die bei der Bundeswehr ihre Ausbildung gemacht haben. Die sind noch penibler, denke ich mir. Aber da muss ich jetzt durch. Auf der Rückbank sitzt Dirk Rom, stellvertretender Geschäftsführer der Fahrschule Reinhold, neben mir als „Lehrer“ Heiko Lorenz. Bevor es losgeht, fragt mich Rom, der „Prüfer“, ein paar theoretische Sachen. Wo und vor allem wann schalte ich die Nebelschlussleuchte an? Wann muss ich das Warndreieck einschalten? Mehr oder weniger souverän beantworte ich die Fragen, dann geht es los. Und peinlicher hätte der Start nicht sein können.

Fahrlehrer hoffen, dass Schüler bald nur noch Automatik fahren

Bei der Ausfahrt vom Tüv-Gelände säuft mir gleich zweimal der Motor ab. Lorenz und Rom grinsen nur, nach dem Ende der rund 35-minütigen Fahrt sagt mir Rom, dass ich da schon hätte durchfallen können, weil ich gegen Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung verstoßen habe: „Vermeidbare Behinderung des Verkehrs“, erklärt er. Deshalb wäre es für die Fahrschulen ein Segen, wenn ihre Schüler nur noch mit Automatik unterwegs wären. „Wir gehen davon aus, dass das nächstes Jahr passiert“, sagt Rom. Auch meine Lenkradhaltung wird kritisiert: Ich soll die Hände möglichst immer am Lenkrad halten. „Das spricht auch wieder für Automatik“, sagt Lorenz. Auf dem Weg nach Ratingen und zurück mache ich allerdings noch mehrere gravierende Fehler.

Es beginnt damit, dass ich bei Tempo 100 rund zehn km/h zu schnell fahre – in der Prüfung wäre das das sichere Ende gewesen. Mein Blinkereinsatz, der oft zu spät kommt, würde in der Fülle auch zum Durchfallen führen. „Der Prüfer würde einmal darauf hinweisen, beim zweiten Mal wäre Schluss“, sagt Lorenz. Während der Fahrt durch eine „Spielstraße“ weist mich mein Nachbar mit versteckten Tipps darauf hin, dass ich nur Schrittgeschwindigkeit fahren darf. Auch eine ältere Dame, zu der ich nicht genug Abstand halte, wäre mein Ende gewesen.

Fehlender Schulterblick
sei ein häufiges Phänomen

Den Schulterblick habe ich mir nach meiner Prüfung vor 19 Jahren mehr oder weniger abgewöhnt, ich mache ihn nur noch auf der Autobahn oder beim Abbiegen, um keinen Radfahrer umzufahren. „So lange nichts passiert, macht man ihn auch nicht“, sagt Rom über dieses Phänomen. Aber ich werde nach dem Abstellen des Autos auch gelobt: Die abknickende Vorfahrtsstraße kennt nicht jeder Fahrschüler, rechts vor links hätten die beiden Fahrlehrer auch schon schlechter gesehen und bei einem Zebrastreifen habe ich mich vorbildlich verhalten. Auch die Gefahrenbremsung war in Ordnung.

Das Fazit: durchgefallen. „Es ist nichts, was wir uns wundern würde. Was wir uns wünschen, ist eine bessere Verkehrsbeobachtung und Blinkereinsatz“, sagt Rom. Die Botschaft ist angekommen. seeg