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Kaarst ist noch kein Radfahrer-Paradies - Analyse von Horst Luhmer

NRW : Bedingungen für Radler in Kaarst verbesserungswürdig

Horst Luhmer ist seit November 2020 Fahrradbeauftragter der Stadt. Es konnten zwar bereits Verbesserungen erreicht werden, doch noch stellt der 73-Jährige Kaarst nur ein mittelmäßiges Fahrrad-Zeugnis aus.

Von der Idee bis zur Umsetzung hat es zwar einige Zeit gedauert, aber mit Urkunde vom 29. November 2020 ist Horst Luhmer offiziell zum Fahrradbeauftragten ernannt worden – Zeit für eine erste Bilanz und einen Ausblick. „Es sind wichtige Maßnahmen beschlossen worden und doch bin ich nicht ganz zufrieden“, sagt der Sprecher der Ortsgruppe Kaarst des ADFC und nennt ein Beispiel: „Die Neusser Straße ist eine überbreite Straße und trotzdem ist kein Sicherheitstrennstreifen zum Schutz der Radfahrern angebracht worden, da gibt es keine Erklärung für“, klagt er.

Dieser Schutzstreifen entlang der Parkplätze für Längsparker hätte Radler wirkungsvoll vor unbedacht aufgerissenen Autotüren geschützt: „Beim Schrägparken wäre dieser Schutzstreifen zwingend erforderlich gewesen, hier nicht, aber es wäre genug Platz vorhanden gewesen für diesen Radfahrer-Schutz.“

Auf der Neusser Straße gibt es aber noch einen Kritikpunkt: Der Fahrradbeauftragte stellt immer wieder fest, dass Autofahrer verbotenerweise auf dem Schutzstreifen für Radfahrer parken, zum Beispiel vor dem Kiosk. Was er in diesem Zusammenhang beklagt: „Das falsche Parken wird nicht geahndet.“

Mit Blick auf Büttgen fällt ihm auf, dass ein Ratsbeschluss nicht umgesetzt wurde: Es geht um die Eduard-Klüber-Straße, eine Einbahnstraße. Beschlossen war, dass Radfahrer diese Straße in beiden Fahrtrichtungen benutzen dürfen. „Warum tut sich hier nichts?“, möchte Luhmer wissen, zumal der Ratsbeschluss ohne großen finanziellen und personellen Aufwand umgesetzt werden könne.

Luhmer hat immer wieder erfahren müssen, dass die Politik längst nicht auf alle seine Wünsche und Forderungen eingeht. Ein Beispiel ist die Maubisstraße. Dort wäre Tempo 30 angebracht, wohl wissend, dass es sich um eine sogenannte Vorrangstraße handelt. „Es werden aber immer mehr Ausnahmegenehmigungen erteilt“, sagt der Fahrradbeauftragte. An der Girmes-Kreuz-Straße missfällt ihm, dass parkende Autos wertvollen Straßenraum blockieren – Raum, den man für beidseitige, 1,50 Meter breite Schutzstreifen verwenden könnte. Luhmer wirbt dafür, dass die Bürger ihre Garagen entrümpeln und zum Abstellen ihres Wagens nutzen, statt ihn auf der Straße zu parken. Das Argument, parkende Fahrzeuge würden den Verkehr verlangsamen, lässt er nicht gelten: Durch die Schaffung von Schutzstreifen würde der Radverkehr unterm Strich sicherer.Womit er richtig glücklich ist: „Der ADFC hat einen Katalog mit 69 Barrieren und Hindernissen, die zum Teil keinen erkennbaren Zweck haben, zusammengestellt. „Die schwarzgrüne Koalition hat diese Liste noch ergänzt um einige überflüssige Sperrbügel.“ Jetzt sei die Stadt am Zug, diese Hindernisse zu beseitigen: „Das ist eine gute Nachricht für Menschen, die mit dem Rad, dem Kinderwagen, mit einem Lastenrad oder einem Rollstuhl unterwegs sind.“