Büttgener macht Bilder in Mega-Auflösung Kaarster macht Bilder für Entdecker

Kaarst · Jean Seidel erstellt Fotos im Gigapixel-Bereich, in die man reinzoomen und sich kleinste Details anschauen kann. So werden seine Fotos zu einem echten Erlebnis.

 Fotograf Jean Seidel nimmt die Besucher seiner Internetseite mit auf einen virtuellen Rundgang durch die La-Madeleine-Allee in der Kaarster Stadtmitte. Zu sehen ist hier die 2D-Ausführung des Kugelpanoramas.

Fotograf Jean Seidel nimmt die Besucher seiner Internetseite mit auf einen virtuellen Rundgang durch die La-Madeleine-Allee in der Kaarster Stadtmitte. Zu sehen ist hier die 2D-Ausführung des Kugelpanoramas.

Foto: Jean Seidel

Fotografieren ist seine Leidenschaft. Jean Seidel aus Büttgen hat 2011 begonnen, Bilder zu machen. Vor rund drei Jahren fand er dann eine Nische: die Makro-Fotografie. „Ich bin Pixel-Fetischist und will die absolute Detailschärfe in meinen Fotos haben“, erklärt der 41-Jährige. Der Rathausplatz in Büttgen und die Sankt-Aldegundis-Kirche können auf seiner Homepage www.million-pixel.de bereits bis ins kleinste Detail angesehen werden, am vergangenen Wochenende fotografierte Seidel die La-Madeleine-Allee mit den blühenden Kirschblüten und den Rathausplatz in Kaarst. „Das war bislang mein größtes Panorama-Foto und hat um die 26 Gigapixel“, erklärt der Fotograf. Das Besondere an seinen Fotos sind die virtuellen Touren, die jeder ganz einfach über den Browser machen kann. „Man kann sich in dem Foto umherbewegen, wie man möchte. Es geht darum, das Foto zu erleben und Dinge im Bild zu entdecken, die man sonst nicht sehen würde“, so Seidel. Zwar bietet Google Street View auch diesen Effekt an, der Unterschied ist jedoch, dass der Nutzer dort nicht hineinzoomen und sich die Details anschauen kann. Auf seiner Homepage beschreibt Seidel die Fotos als „Wimmel-Buch für Erwachsene“, weil es so viel zu entdecken gebe.

Das Foto vom Rathausplatz in Kaarst besteht aus 390 Einzelbildern. Diese setzt Seidel am Computer mit einer bestimmten Software manuell zusammen. Insgesamt drei Programme nutzt er dafür: eines zum „stitchen“, also zum Zusammensetzen der Einzelfotos, eines zur Nachbearbeitung der Bilder und das dritte, um die großen Bilder webfähig zu machen. Dafür braucht er viel Zeit – und eine immense Rechenpower. Denn jedes einzelne Bild ist zwischen 70 und 90 Megabit groß. Das bisher größte Panoramabild kam auf insgesamt 122 Gigabit. „Das Foto vom Rathausplatz in Kaarst wird aber noch größer werden“, kündigt Seidel schon einmal an.

Die technischen Daten der Fotos und welche Kamera er dafür benutzt hat stehen unter den jeweiligen Bildern auf der Homepage. Günstig ist sein Hobby nicht: Denn die Kameras und die Software sind nicht umsonst.

Neben den Aufnahmen seiner Heimatstadt Kaarst sind auf Seidels Internetpräsenz Panorama-Bilder vom Kölner Dom (von außen), der Rhein-Knie-Brücke in Düsseldorf in der Nacht, dem Düsseldorfer Fernsehturm, Schloss Dyck in Jüchen oder dem Westfalenpark in Dortmund zu finden. In letzter Zeit hatte Seidel allerdings nur wenig Zeit für sein großes Hobby. Der Vater einer siebenjährigen Tochter und eines vierjährigen Sohnes ist Bilanzbuchhalter und Controller und beruflich stark eingebunden. „Ich versuche so oft wie möglich zu fotografieren, wenn die Familie es zulässt“, sagt er.

Welche Gebäude würde er gerne einmal in diesem Gigapixel-Bereich fotografieren? „Vorstellbar wäre eine Kirche, beispielsweise das Ulmer Münster. Das ist schon sehr imposant“, sagt er. Zudem hat Seidel berühmte Sehenswürdigkeiten im Sinn – wie die Pyramiden in Ägypten, die Seidel gerne einmal besuchen würde. Auch der Louvre in Paris wäre ein Ziel. „Wenn niemand anderes drin ist, würde ich gerne ein Kugelpanorama machen. Dann könnte man ich die einzelnen Bilder genauestens anschauen“, sagt er. Ein weiterer Gedanke hinter seinen Bildern ist, Dinge oder Orte für die Ewigkeit festzuhalten und Veränderungen zu dokumentieren. „Hinter meinen Fotos steckt eine Menge Arbeit und Zeit, die sind nicht mal eben gemacht. Daher erfüllt mich jedes Bild, wenn es fertig ist, mit gewissem Stolz“, schreibt Seidel auf seiner Homepage.

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