Kaarst: Fluglärm-Gegner schicken Videobotschaft an NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst

Initiative „Kaarster gegen Fluglärm“ : Videobotschaft für den Minister

Fluglärmgegner haben sich auf dem Kaarster Wochenmarkt getroffen. Sie fordern von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst ein Nachtflugverbot.

Sie waren nicht zu übersehen: Rund zwanzig Mitglieder der Initiative „Kaarster gegen Fluglärm“, gekleidet in leuchtend orangefarbene Warnwesten, nutzten den „Internationalen Tag gegen Lärm“, um ein Video für NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) auf dem Wochenmarkt zu drehen. „Der Minister spricht nicht mit uns, also sprechen wir mit ihm“, sagte ein gut gelaunter Vereinsvorsitzender Werner Kindsmüller. Die Initiative hat die Kapazitätserweiterung des Düsseldorfer Flughafens bisher erfolgreich verhindert – aktuell kämpfen die Mitglieder vehement für ein striktes Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr und an Sonntagen bis 7 Uhr.

Initiative: Video soll sich in den sozialen Medien verbreiten

Lärm kann krank machen: „Wir wollen in diesem Jahr mit möglichst vielen Bürgern eine Videobotschaft an Verkehrsminister Wüst aufnehmen. Wir erwarten, dass er endlich etwas unternimmt, damit unsere Lärmbelästigung nicht immer weiter steigt“, so Kindsmüller. Bacel Atassi, freier Kameramann, drehte das Video von der gesamten Aktion und wurde dabei von der Medienagentur „Copyhead“, vertreten durch Markus Albiez, unterstützt. Der Film wurde auf zwei Minuten zusammengeschnitten und noch am Mittwoch an Minister Wüst geschickt. „Außerdem setzen wir auf die virale Verteilung in sozialen Medien“, erklärte Werner Kindsmüller. Vor zwei Jahren habe es schon mal ein Video gegeben, so Markus Albiez, das sehr erfolgreich verbreitet wurde. Beim Dreh hielten die Vereinsmitglieder Schilder mit eindeutigen Botschaften hoch: „Kaarster träumen von der Nachtruhe“, „Euer Urlaub – unser Stress“, „Fluglärm macht krank“ oder „Sonntags Ruhe bis acht“ waren dort zu lesen. Nun setzte man ganz bewusst auf den Termin auf dem Markt, um möglichst viele Besucher ansprechen zu können. Manche Bürger, die ihre Einkäufe auf dem Markt tätigten, gingen eher achtlos an dem Stand der Fluglärm-Gegner vorbei. „Die fliegen doch alle selbst“, murmelte eine Passantin im Vorbeigehen.

Kommunalpolitiker
unterstützen den Verein

Doch es gab auch viel Zuspruch: Reinhard Fiege (81) hat eine Zeitlang in Kleinenbroich gewohnt und ist nun wieder nach Kaarst gezogen. Hier empfindet er den Fluglärm als deutlich lauter: „Der Unterschied ist frappierend“, meinte er. Eine Unterhaltung draußen auf dem Balkon bei gutem Wetter wie jetzt über Ostern sei abends „schwierig“ – alle 55 Sekunden käme ein Flugzeug, beklagte er die gestoppte Zeit. Ein Bürger, der seinen Namen nicht nennen wollte, outete sich als zukünftiges Mitglied der Initiative. Durch einen Umzug in die Straße „Am Sandfeld“ leiden seine Frau und er sehr unter dem Lärm, erzählte er. Der frühere Wohnsitz in der Nähe der Autobahn käme ihm dagegen wie das reinste „Paradies“ vor, obwohl auch da der Fluglärm zu hören gewesen sei. Jetzt fühlt er sich sehr betroffen und möchte sich engagieren.

Auch Kaarster Kommunalpolitiker unterstützen den Verein. Das sei ein überparteiliches Thema, erklärten Dagmar Treger (CDU), Monika Hartings (SPD) und Heinrich Hannen (Die Grünen). Dagmar Treger wünscht sich noch mehr Engagement der Bürger gegen Fluglärm. Man sei ja nicht generell gegen Flugzeuge, sondern gegen eine Ausweitung der Flugzeiten und die zu große Anzahl innerdeutscher Flughäfen.