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Kaarst: Entsäuerte Akten sind zurück im Stadtarchiv

Kaarster Stadtarchiv : Historische Akten erhalten ein „Bad“

Kaarster Stadtarchiv hat seine teils mehr als 200 Jahre alten Papiere entsäuern lassen.

Papier wird mit der Zeit zerbrechlich. Das liegt in der Geschichte der Papierherstellung begründet. Denn zwischen 1850 und 1990 wurden weltweit fast ausschließlich Papiere hergestellt, die einen sauren pH-Wert aufweisen. „Daher wird das Papier mit der Zeit brüchig und droht, zu zerfallen“, sagt Sven Woelke, Archivar der Stadt Kaarst. In den vergangenen Jahrzehnten wurden Verfahren entwickelt, um das aufzuhalten – von einem profitierte die Stadt.

Anfang Juni schickte Woelke rund 1000 Akten und Amtsbücher aus dem Bestand von 1800 bis 1945 zur Entsäuerung zum Landschaftsverbandes Rheinland. Dieses leitete die Akten zum Zentrum für Bucherhaltung nach Leipzig. Dort wurden die Papiere neutralisiert und mit einer „alkalischen Reserve“ versehen. Die Massenentsäuerung, so der Oberbegriff, basiert auf einer milden, flüssigen Dispersion aus Magnesiumoxid und Calciumkarbonat sowie Heptan als Trägerflüssigkeit. Während der Behandlung neutralisiert die Flüssigkeit binnen weniger Minuten die Säure im Papier. Das Mittel hebt gleichzeitig den pH-Wert in den leicht alkalischen Bereich. Zudem wird ein Überschuss des Entsäuerungsmittels in das Papier eingebracht, der die alkalische Reserve bildet. Diese erzeugt einen Puffer gegen schädliche Umwelteinflüsse und Säure.

Mit dem Verfahren kann die Lebensdauer von Akten um den Faktor vier oder fünf verlängert werden. Das Gute an der Sache: Das gesamte Projekt wurde durch das NRW-Förderprogramm „Landesinitiative Substanzerhalt“ mit 70 Prozent gefördert. Kurz vor Weihnachten waren die Akten wieder im Archiv und stehen jetzt der Nutzung wieder zur Verfügung. Um eine erneute Säureaufnahme der Akten zu verhindern, wurden die Papiere in säurefreie Archivkartons gepackt.

Das Archiv hat jetzt auch mehr Platz für die alten Dokumente

Eine weitere Förderung erhielt das Stadtarchiv in Form neuer Regale. Im alten Getränkelager des Rathauses steht nun eine neue Regalanlage, in der rund 120 Meter Akten verstaut werden können. Pro Jahr werden rund 20 Meter Akten aus der Verwaltung ins Archiv gegeben. „Das heißt aber nicht, dass diese Akten dauerhaft hierbleiben, sie müssen allerdings im Zwischenarchiv gelagert werden“, erklärt Woelke. Doch da jährlich neue Akten hinzukommen, braucht das Archiv mehr Platz. Sechs Reihen mit je 20 Fächern wurden angeschafft. In jedes Regalfach passt rund ein Meter Archivgut. „Jetzt haben wir wieder ein paar Jahre Luft“, ist Woelke erleichtert. Das Regalsystem wurde ebenfalls vom Landschaftsverband mit 50 Prozent gefördert. seeg