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Kaarst: Die Vorteile der neuen Pflegeausbildung

Johanniter-Stift in Kaarst : „Die Ausbildung wird attraktiver“

Seit dem 1. Januar dieses Jahres gibt es ein neues Ausbildungskonzept in der Altenpflege. Michael Heine, Leiter des Kaarster Johanniter-Stifts, ist überzeugt, dass dieses Sinn macht. Dennoch sucht er noch nach Bewerbern für Oktober.

Michael Heine, Leiter des Johanniter-Zentrums in Kaarst, ist fest überzeugt vom neuen Konzept der Ausbildung zur Pflegefachfrau respektive Pflegefachmann: „Die generalistische Pflegeausbildung macht am meisten Sinn und bei den Johannitern werden ab 1. Oktober drei Auszubildende damit beginnen“, sagt er. Denn seit dem 1. Januar werden die Tätigkeiten in der Altenpflege sowie Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zusammengeführt: Die Auszubildenden und späteren Pflegefachkräfte sind befähigt, Menschen aller Altersstufen fachgerecht zu pflegen. „Das wirkt dem Fachkräftemangel entgegen, zugleich wird die Ausbildung wesentlich attraktiver und beinhaltet eine europaweite Anerkennung“, erklärt Michael Heine.

Zwar gibt es aktuell noch die Möglichkeit, sich im dritten Ausbildungsjahr zu spezialisieren: Man kann sich entweder auf die Alten- oder die Kinderkrankenpflege konzentrieren und entsprechende Abschlüsse erwerben. Allerdings wird beides nicht EU-weit anerkannt. „Diese Spezialisierungen wird keiner machen“, glaubt Michael Heine.

Johanniter sind bei der Suche nach einem Schulplatz behilflich

Denn Behandlungspflege wie das Setzen subkutaner Spritzen oder Katheterwechseln darf nur jemand mit einer generalistischen Ausbildung übernehmen. Diese Ausbildung habe auch nach Meinung der Experten einen größeren Mehrwert, so Heine. Er befürwortet die neue Generalistik unbedingt: Den Auszubildenden wird ein breites Berufsfeld vermittelt. Der theoretische Unterricht wechselt sich mit Praxiseinsätzen in Krankenhäusern, Kinderkliniken und psychiatrischen Einrichtungen ab. Im Johanniterstift lernen die Auszubildenden alle Abläufe in der Pflege mit Unterstützung und Betreuung eines Praxisanleiters kennen, der ihn durch die gesamte Ausbildung begleitet: „Wir schreiben für jeden Azubi einen individuellen Ausbildungsplan“, berichtet Heine. Das sind quasi zusätzliche Dienstpläne, die den Azubis einen besonderen Status verleihen. Außerdem freut sich der Einrichtungsleiter über die „tolle Neuerung“ der Finanzierung: „Die Länder bilden einen Ausgleichsfonds, in den mehrere Parteien (auch die Einrichtungen selbst) einzahlen und aus diesem Fonds werden die Vergütungen der Auszubildenden und auch die der Praxisanleitung bezahlt“, sagt er. Pro Schüler sind es in diesem Jahr 8000 Euro pro Schüler.

Dieser Fonds wird über die Bezirksregierung Münster ausgeschüttet, der auch die Zahl der Azubis gemeldet wird. Die gesamte Ausbildung ist kostenfrei, die Vergütung bewegt sich bei den Johannitern bei über 1000 Euro brutto im ersten Lehrjahr. Und die Weiterbildungsmöglichkeiten sind immens: Später stehen nahezu alle Wege in den Bereichen Studium, Spezialisierungen in der Pflege sowie in Führung und Leitung offen.

Trotz dieser positiven Argumente und viel Aufwand ist es Michael Heine nicht gelungen, zum Ausbildungsbeginn am 1. April neue Azubis zu gewinnen. Für den Ausbildungsbeginn am 1. Oktober können noch zwei Bewerber anfangen – denn fünf dürfen es pro Kurs sein. Bei der Suche nach einem Schulplatz sind die Johanniter gerne behilflich. Bei ihnen durchlaufen aktuell 15 Azubis die Ausbildung noch nach dem alten Modell.