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Kaarst: Die Tricks der Food-Fotografen

Kaarster fotografiert Lebensmittel : Seine Bilder machen den Kunden Appetit

Gemeinsam mit seinem Partner Michael Hirsch setzt Axel Thomae Getränke und Essen gekonnt in Szene. Doch so einfach, wie es sich anhört, ist es mitnichten. Wir haben mit ihm über die Arbeit eines Food-Fotografen gesprochen.

Um auf der Weihnachtsgans eine braune Kruste zu simulieren, wird sie mit Dieselöl übergossen. Eine Käse-Sahne-Torte wird mit Grieß gefüllt, damit sie nicht zusammenfällt. Mit diesen Tricks haben Food-Fotografen vor 30 Jahren gearbeitet. Mittlerweile, so erklärt Axel Thomae, hat sich diese Sparte der Fotografie allerdings gewandelt, auch wenn heute immer noch Tricks angewendet werden, um die Produkte so gut wie möglich aussehen zu lassen.

Gemeinsam mit einem Stylisten wird eine Idee entwickelt

Damit das klappt, arbeiten die Fotografen Hand in Hand mit sogenannten Food-Stylisten. „Ich bin nur so gut wie mein Food-Stylist“, sagt Thomae. Während der Fotograf sich um das Licht und die Perspektive des Produktes kümmert, wird gemeinsam mit dem Stylisten eine Idee entwickelt. Die Aufgabe des Stylisten ist es dann, diese Idee umzusetzen. „Er muss ein Händchen für das Produkt haben“, sagt Thomae und nennt als Beispiel Eis. „Man kann Eis nicht fotografieren, weil es im Studio durch das Licht und die Wärme schnell schmilzt“, sagt er. Thomae und sein Partner haben Kontakt zu einem Food-Stylisten, der sich das ganze Jahr lang darum kümmert, Eis optimal in Szene zu setzen. Da es mit Original-Eis nicht geht, hat dieser Stylist in seinem Labor eine Alternative entwickelt. Die Masse besteht unter anderem aus Fett und Mehl und sieht eisartig aus. Diese wird in eine Form gegossen und mit Schokolade überzogen. Für die verschiedenen Lebensmittel gibt es unterschiedliche Styling-Experten: Pizza, Kaffee oder Schokolade. „Die Zusammenarbeit zwischen Stylist und Fotograf muss passen“, so Thomae. Um sogenannte Dummy-Bauer kommt man in vielen Bereichen heutzutage nicht herum. „Auf Fotos von Schokoriegeln wird immer ein Dummy verwendet“, so Thomae. Durch den Transport leidet das Aussehen der Schokoriegel extrem. Doch was macht Thomae, wenn kein Geld da ist, um einen Dummy zu bauen? „Dann lasse ich mir 300 Schokoriegel kommen, suche mir die zehn besten aus und föhne sie“, erklärt er. So bekommt die Schokolade ihren Glanz zurück. Wenn die Schokolade zerlaufen oder gesprüht werden muss, beispielsweise bei der Pralinenherstellung, wählt der Stylist die richtige Mischung aus.

Gemeinsam mit seinem heutigen Partner Michael Hirsch studierte er in der Food-Fotografen-Hochburg Bielefeld – dort gibt es viel lebensmittelverarbeitende Industrie wie beispielsweise Dr. Oetker – Foto- und Filmdesign, vor elf Jahren zog er wegen des Jobs seiner Frau nach Kaarst. Hirsch hat es der Liebe wegen nach Paris verschlagen. Doch von wo aus die beiden arbeiten, spielt im digitalen Zeitalter keine Rolle, vor allem nicht als Fotograf. Neben Fotos bieten Thomae und Hirsch seit zwei Jahren auch Werbefilme an. Doch diese Arbeit ist noch aufwendiger: Für einen 18 Sekunden langen Werbespot für ein Tonic-Wasser benötigte Thomae drei Arbeitstage. „Beim Filmen ist nichts mehr mit faken, da kann man nicht mit Fotoshop arbeiten“, sagt er. Speziell der Getränkemarkt – der es Thomae angetan hat – durchlebt einen starken Wandel. „Es kommen viele neue Firmen auf den Markt, der extrem schnell wächst“, sagt er. Im Vergleich zu Frankreich spielt Deutschland im Bereich der Food-Fotografie allerdings noch ein paar Ligen tiefer. „In Frankreich ist das Niveau der Bilder viel höher. Selbst Firmen wie Ferrero lassen ihre Bilder in Paris machen“, sagt er. Doch eins haben alle Food-Fotografen gemeinsam: „Wir wollen Argumente liefern, damit Kunden das Produkt kaufen.“