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Kaarst: Corona sorgt für Boom in Fahrradgeschäften

Kaarster Händler profitieren : Lieferschwierigkeiten in Radgeschäften

Für viele Branchen war die Corona-Krise ein harter Schlag, den Fahrradgeschäften hat sie nicht geschadet. Im Gegenteil: Seit dem Lockdown gibt es bei den Händlern in Kaarst einen Run auf Fahrräder – vor allem auf E-Bikes.

Die Fahrradhändler in Kaarst und Büttgen sind bis jetzt sehr gut durch die Corona-Krise gekommen. Aber die Bäume wachsen aus einem Grund nicht in den Himmel: Mittlerweile gibt es Lieferschwierigkeiten, und zwar ebenso für neue Räder, wie auch für Ersatzteile. Händler, vor allem aber die Kunden müssen zunehmend Geduld aufbringen.

Karsten Griesenbruch hat zum 1. April das ehemalige Fahrradgeschäft Eggert in Kaarst übernommen – zwei Wochen nach Einführung der Kontaktbeschränkungen. Der Laden war vollgestopft mit nagelneuen Drahteseln, der Verkauf war verboten, nur die Werkstatt durfte geöffnet werden. „Wie kriege ich Räder jemals verkauft?“, hatte Griesenbruch zunächst gedacht. Doch die Sorgenfalten sollten schnell verschwinden. „Wir hatten sehr viel zu tun“, erklärt der Fahrradhändler, das Arbeitsaufkommen war nur mit Überstunden einigermaßen zu bewältigen. Was der Inhaber des Geschäftes „Griesi’s Radtreff“ immer wieder zu hören bekam: Dass die Kunden den Fahrradkauf eigentlich erst für nächstes Jahr geplant hatten. Jetzt, als sich abzeichnete, dass der Sommerurlaub ausfallen würde, fanden sie den Weg früher als geplant in den Radladen. Dass sie jetzt mehr Geld ausgaben für neue Räder, konnte Griesenbruch nicht ausmachen. Was er aber feststellte: „Der Anteil an E-Bikes wuchs auf rund 70 Prozent.“

E-Bikes sind auch in Büttgen
der Verkaufsschlager

Die Kaufwut ist im Laden erkennbar: Die Abstände zwischen den einzelnen Rädern ist reichlich groß. Groß war und ist auch der Ansturm auf die Werkstatt. „Bei uns gibt es Reparaturzeiten von bis zu einer Woche, wenn die Teile zur Verfügung stehen“, sagt Griesenbruch. Kunden hätten sich ausnahmslos an die Abstandsregelungen gehalten. Er ist sich aber in einem Punkt sicher: „Der Fahrradhandel ist recht gut davongekommen.“ Jetzt hofft er, dass Räder und Ersatzteile wieder schneller geliefert werden.

Ralf Schwemin beantwortet die Frage, wie die Geschäfte seit der Corona-Krise gelaufen sind, mit zwei Wörtern: „Schon Wahnsinn.“ Während der Zeit des Lockdowns habe man sich mit Reparaturen „über Wasser gehalten“. „Ich hatte das Gefühl, die Leuten wollten unbedingt Fahrrad fahren“, erklärt der 48-Jährige, der das „Radland Kirchhartz“ in Büttgen und das Fahrradgeschäft Schumacher in Vorst übernommen hat. Die Auftragslage sei super gewesen. Zurzeit wird die gute Stimmung ein wenig getrübt: „Für bestimmte Fahrräder müssen Kunden schon mal bis Oktober warten“, erklärt Ralf Schwemin. E-Bikes sind auch in Büttgen der Verkaufsschlager, bei Schwemin werden zunehmend auch hochwertige Rennräder mit Elektromotor geordert. Hier könne auch die um drei Prozentpunkte gesenkte Umsatzsteuer zu einem vorgezogenen Kauf führen – die Ersparnis liegt bei Premium-Bikes im dreistelligen Bereich. Auch Schwemin beklagt, dass Räder und Ersatzteile deutlich längere Lieferzeiten haben. Deshalb können Reparaturen, die über einen „Platten“ hinausgehen, schon länger als üblich dauern.