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Kaarst: Begegnungscafé ist wöchentlicher Treffpunkt für Migranten

Begegnungscafé in Kaarst : Migranten fühlen sich wohl im Café

Jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr öffnet das Begegnungscafé im Pfarrzentrum St. Martinus. Dann kommen Migranten zusammen, um zu lernen oder zu spielen.

Im Herbst 2015 hat das Begegnungscafé im Pfarrzentrum St. Martinus erstmals geöffnet. Damals schwappte die Flüchtlingswelle durch Deutschland, auch Kaarst war betroffen. Seit nunmehr viereinhalb Jahren treffen sich jeden Dienstagnachmittag im Keller des Pfarrzentrums Migranten zum Begegnungscafé. „Anfangs gab es sprachliche Barrieren“, erklärt Guido Stelzer, einer von insgesamt rund 20 Ehrenamtlern. Doch nach und nach wurde die Verständigung immer besser, und wer heute das Café besucht, merkt schnell, dass sich etwas getan hat. Die Migranten sprechen überwiegend fließend Deutsch und kommen ins Pfarrzentrum, weil sie hier weiter lernen können. Neuerdings kommt auch der neue Kaplan Joseph Abitya vorbei und bringt den Kindern Englisch bei. Anfangs waren Stelzer und seine Mitstreiter ein bisschen verärgert darüber, dass das Begegnungscafé im Keller aufgebaut wird. Heute sind sie aber sehr glücklich darüber. „Wir haben hier unten die perfekten Bedingungen“, sagt Stelzer.

Seyed Reza Hosseini ist 2015 aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet und rund zehn Monate von A nach B geschickt worden, bis er endlich in Kaarst landete. Dann hat er vom Begegnungscafé erfahren und ist seitdem jeden Dienstag dabei. „Ich bin sehr begeistert von diesem Café. Wir können hier viel lernen, uns unterhalten, spielen, basteln oder unseren Papierkram erledigen“, sagt der 27-Jährige. Seine beiden Kinder, viereinhalb und zweieinhalb Jahre alt, fragen ihn immer, wenn das Café vorbei ist, wie oft sie noch schlafen müssen, bis sie das nächste Mal hier sind. Er selbst hat durch das Café seine Liebe zum Tischtennis gefunden. „Wir haben mit jedem hier eine eigene Geschichte“, sagt Seyed Hosseini. Er würde den Menschen, die ihm geholfen haben, in Kaarst ein neues Leben zu beginnen, auch gerne etwas zurückgeben.

Café kann aus personellen Gründen nicht mehrmals pro Woche öffnen

„Alle Leute hier sind sehr lieb, sie kommen uns auch teilweise zu Hause besuchen“, erzählt der Afghane mit leuchtenden Augen. Seine Tochter beispielsweise hat eine enge Bindung zu Hiltrud Esser, einer weiteren ehrenamtlichen Helferin, aufgebaut. „Es ist ein sehr gutes Gefühl, hier zu sein“, so Hosseini, der sich wünschen würde, dass das Café mehrmals in der Woche öffnen würde. „Aber das geht personell nicht“, antwortet Guido Stelzer direkt: „Wir sind mit dem, was wir hier tun, gut ausgelastet.“

Bereits vor der offiziellen Öffnung um 16 Uhr ist der Keller schon gut gefüllt. Und es kommen immer mehr Migranten, die meisten davon sind „Stammgäste“, wie Guido Stelzer erzählt. Aber an diesem Tag sind auch einige neue Leute da, auch in den Reihen der Ehrenamtler sieht Guido Stelzer ein neues Gesicht. Waltraud Steins ist zum ersten Mal dabei und schnappt sich gleich eine Gruppe, um mit dieser über ein bestimmtes Thema zu sprechen. Im Raum nebenan sitzen vier Kinder und basteln unter der Aufsicht von drei Ehrenamtlern, draußen spielt Seyed Hosseini Tischtennis mit seinem „Lehrer“ Wilhelm Heimann. Und mittlerweile ist Hosseini selbst zu einer wichtigen Stütze des Cafés geworden, indem er den neuen Gästen alles gezeigt und für die Ehrenamtler übersetzt hat. Sowohl für die Migranten als auch für die Helfer ist der Dienstagnachmittag zur festen Institution geworden, die sie nicht mehr missen wollen – und das seit mehr als vier Jahren.