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Kaarst: Apfelbaum als Zeichen gegen Rechts

Pflanzung in Holzbüttgen : Ein Apfelbaum setzt Zeichen gegen Rechts

Auf der Streuobstwiese des Kleingartenvereins Holzbüttgerhaus ist am Dienstagmorgen ein besonderer Apfelbaum gepflanzt worden. Der Korbiniansapfel wurde im KZ Dachau heimlich gezüchtet und rausgeschmuggelt.

Am Dienstagmorgen ist mit der Pflanzung eines Korbinianapfelbaums die Streuobstwiese des Kleingartenvereins Holzbüttgerhaus (KGV) eröffnet worden. Sie liegt am Fußweg von der Bismarckstraße Richtung Georg-Büchner-Gymnasium. Gestiftet haben den Baum Bündnis90/ Die Grünen. Der „Korbiniansapfel KZ-3“, so die exakte Bezeichnung, hat eine besondere Herkunft: Der ab 1941 im Priesterblock des Konzentrationslagers (KZ) Dachau inhaftierte katholische Pfarrer Korbinian Aigner war hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt. Es gelang ihm, zwischen zwei Lagerbaracken Apfelbäume zu pflanzen und die vier Züchtungen KZ-1 bis KZ-4 zu kreieren. Aigner schmuggelte sie bei Kriegsende aus dem Lager, konnte beim Todesmarsch nach Südtirol in ein Kloster fliehen und überlebte. Von seinen Züchtungen blieb die Sorte KZ-3 erhalten – nun soll auch ein Baum in Kaarst wachsen und Früchte tragen.

„Wir wollen damit ein klares Zeichen gegen Rechts setzen“, erklärt Nina Lennhof, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kaarster Stadtrat. Im Zuge der Aktion „Hier fehlt ein Baum“ habe man im vergangenen Jahr Anregungen der Bürger gesammelt und 100 Bäume verschenkt. Auf den Korbinianapfelbaum ist Nina Lennhof durch eine Ausstellung über Korbinian Aigner aufmerksam geworden und so auf die Idee gekommen, diesen besonderen Baum an den KGV zu stiften. Man habe die Bäume selbst eingetopft und dann verschenkt, erklärt Christian Gaumitz, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Kaarst. Das sei eine „aktive Auseinandersetzung mit dem Grün in der Stadt“, um langfristig den Klimawandel mittels eines „Kühlungseffekts“ zu unterstützen. Die Grünen haben durch die Baumspenden viele „schöne und positive Rückmeldungen“ erhalten, so Gaumitz. Jetzt kam noch eine hinzu: Margret Hübner, zweite Vorsitzende des KGV und Hobbyimkerin Brigitte Schafhausen freuten sich sehr über die Spende für die Streuobstwiese.

Der Korbinianapfelbaum wartete seit Juni auf seine Pflanzung

Diese entsteht auf einem 400 Quadratmeter großen Grundstück, das der frühere Pächter aus gesundheitlichen Gründen aufgab. Gartenhaus und Nebengebäude mussten abgerissen werden. Der Verein beschloss, eine Streuobst- und Bienenwiese anzulegen, um Insekten mehr Lebensraum und Nahrung zu bieten. 

Zehn Bienenkästen von Brigitte Schafhausen werden auf den Fundamenten der beiden früheren Gebäude eine neue Heimat finden. Sie wird sich auch um die Pflege der Wiese kümmern. Durch die Corona-Pandemie sind die Arbeiten noch nicht so weit fortgeschritten wie geplant, da der Verein alles in Eigenregie durchführt und eine Zeitlang Gemeinschaftsaufgaben nicht möglich waren. Inzwischen ist auf einem abgetrennten Areal eine Wiesenmischung gesät worden, weitere Bäume sollen folgen. Der Korbinianapfelbaum wartete seit Juni auf seine Pflanzung: „Jetzt musste er in die Erde“, so Margret Hübner, die den Baum in der Zwischenzeit gepflegt und gegossen hat. Auch ein Loch hatte sie bereits vorbereitet und mit vereinten Kräften setzten Lennhof und Gaumitz den Baum ein. Nina Lennhof hat selbst ebenfalls einen Korbinianapfelbaum in ihrem Garten und bestätigt: „Er wächst super!“ Das hoffen alle Beteiligten jetzt auch für den Korbiniansapfel KZ-3 – ein Zeichen für neues Leben, das sich stärker als Tod und Verdammnis des Konzentrationslagers erwies. Oder um es mit Martin Luther zu sagen, den Nina Lennhof zitiert: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen!“