Kaarst: Albert-Einstein-Gymnasium lebt digitale Schule vor

Gymnasium in Kaarst : AEG hat ein eigenes Schulnetz

Das Albert-Einstein-Gymnasium erhielt das Siegel „Digitale Schule“.

In NRW gibt es rund 5000 Schulen, nur 50 davon tragen das Siegel „Digitale Schule“. Das Albert-Einstein-Gymnasium gehört dazu. Die Idee für die Bewerbung zur „Digitalen Schule“ hatte Waltraud Hoepfner, die mittlerweile in Ruhestand ist. Voraussetzung für die Bewerbung war die Auszeichnung als MINT-freundliche Schule. MINT steht dabei für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Diese hatte ebenfalls Waltraud Hoepfner im September 2016 in Empfang genommen. „Obwohl sie in ihrem letzten Jahr war, hat sie das nicht ruhen lassen. Dafür gebührt ihr unser Dank“, sagt Schulleiter Bruno von Berg.

Das Siegel erhält man allerdings nicht nur für die nötige Ausstattung an der Schule. „Es geht auch darum, wie das im Unterricht verankert ist, welche Möglichkeiten angeboten werden und wie es um Kooperationspartner steht“, sagt von Berg. So steht am AEG bereits in der fünften Klasse der kritische Umgang mit Medien auf dem Stundenplan, auch Informatik wird in den Klassen fünf und sechs bereits angeboten. In der Klasse sieben gibt es die sogenannte Einstein-Stunde, in der die Schüler eine Doppelstunde in der Woche forschen. Im Jahr 2010 hat das AEG die Lernplattform „Moodle“ für ihre Zwecke umgebaut. „Das ist jetzt unser eigenes Schulnetz“, sagt Olaf Koch: „Das haben wir alles selbst gestrickt, darüber läuft sowohl die pädagogische Seite als auch die Verwaltung.“ In dieses System können Schüler Material einstellen, Stundenpläne einsehen oder sogar miteinander kommunizieren. „Fast wie bei Facebook“, sagt Koch.

Zusammen mit Schülern wartet Koch die 150 Geräte an der Schule

Olaf Koch ist seit 2008 Lehrer am Gymnasium und unterrichtet Informatik, Physik und Mathematik.Seine Einstellung war laut Schulleitung ein echter Glücksgriff, denn Koch arbeitet in seiner Freizeit und vor allem in den Ferien immer weiter daran, den digitalen Standard in der Schule nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern zu verbessern. Natürlich mit Hilfe der Schüler: Sogenannte IT-Helfer (ab Klasse neun) unterstützen Koch dabei, die rund 150 Geräte an der Schule zu warten. Worauf Koch und sein Chef von Berg besonders stolz sind, ist das Mediakit: ein selbst programmiertes System, das kostengünstig ist und viele nützliche Funktionen aufweist. Zum einen ist das Mediakit kompatibel mit allen gängigen Systemen wie Android, iOS, Linux oder Windows, zum anderen braucht das System keine ständigen Updates. Außerdem ist die Schule nicht von einem Anbieter abhängig wie beispielsweise Apple. Deshalb ist es auch sehr viel günstiger.

Das System wurde von Olaf Koch und seinem Kollegen Simon Zander entwickelt und stößt bei anderen Schulen bereits auf „großes Interesse“, wie Koch sagt. Das System ist auf ein Raspberry Pi, einem Einplatinenrechner, aufgespielt und kann problemlos auf andere Geräte kopiert werden. Der Lehrer kann den Schülern auf externen Geräten Zugang zum Internet freischalten, Datenaustausch unabhängig vom Betriebssystem ist möglich, Schüler können Dokumente auf die digitale Tafel hochladen und für alle sichtbar machen. Weitere Funktionen wie Bildbearbeitung, Programmierung oder Videoschnitt sind ebenfalls mit dem Mediakit abrufbar. „Wir wollten etwas schaffen, was kostengünstig, einfach zu bedienen und zuverlässig ist. Darin liegt die Zukunft“, sagt Olaf Koch: „Mit diesem System kommt jeder klar.“

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