Kaarst: 1000 Unterschriften zu Ludwig-Erhard-Straße an Ulrike Nienhaus übergeben

Online-Petition in Kaarst : Kaarster wehren sich gegen Rechtsabbiegespur

Mehr als 1000 Unterschriften übergaben die Grünen an die Bürgermeisterin.

Rund 40 Bürger begleiteten Claudia Köppe, Fraktionschefin der Grünen, zum Treffen mit Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus. Denn Köppe übergab 1000 Unterschriften an die erste Bürgerin der Stadt in ihrem Amtsgebäude. Damit protestieren die Unterzeichner gegen die geplante Rechtsabbiegespur von der Ludwig-Erhard-Straße auf die Neersener Straße. Dieses Vorhaben wurde bereits im Mai vom Rat beschlossen.

Hintergrund ist der Verkehrsknotenpunkt Gustav-Heinemann-Straße/Neersener Straße. Dort kommt es in Stoßzeiten und bei geschlossener Bahnschranke der Regiobahn regelmäßig zu sehr langen Rückstaus bis zum Kreisverkehr an der Industriestraße/Flachsbleiche. Die Grünen initiierten im Juni eine Online-Petition gegen dieses Vorhaben und sammelten so und auch durch persönliche Ansprache 1000 Unterschriften, um doch noch ein Umdenken der Politik erreichen zu können. „Die geplante Spur beschädigt die Wohnqualität, ist nicht zeitgemäß und unverantwortlich“, sagte Claudia Köppe. Denn bis zu 1260 Autos könnten laut Gutachten den neuen Weg nutzen, der durch eine Wohnstraße und an Häusern für Asylbewerber und Obdachlose vorbeiführt, wo immer viele spielende Kinder anzutreffen sind. Die Bürger hielten Nienhaus vor, die betroffenen Anwohner hätten keine Gelegenheit gehabt, sich zu den Plänen zu äußern und sie solle sich dafür einsetzen, die Entscheidung rückgängig zu machen.

Nienhaus verwies auf den
Beschluss „gewählter Vetreter“

Zudem wurde auf die nie zugegebene Fehlplanung der Kreuzung Gustav-Heinemann-Straße/Neersener Straße aufmerksam gemacht: Wäre die dortige Rechtsabbiegespur wirklich nur für den Verkehr Richtung Willich und nicht auch nach Vorst befahrbar, hätte man schon ein Problem weniger. „Mit unseren Steuergeldern“ sei damals gebaut worden, erboste sich ein Anwohner. Ratsmitglied Heinrich Hannen (Grüne) brachte mit seinem Schild „Kein Vorrang für Autos vor Kindern“ die Emotionen auf den Punkt.

Ulrike Nienhaus nahm die Unterschriften und Sorgen der Bürger auf, blieb aber gelassen: „Der damalige Beschluss wurde von den von ihnen gewählten Vertretern gefasst“, erklärte sie. Jeder habe die Möglichkeit, sich an Ratsmitglieder zu wenden, um Probleme loszuwerden. Alle Unterlagen seien öffentlich und jederzeit einsehbar, natürlich auch online. Die Befürchtungen der Anwohner und deren Ausdruck durch die Unterstützung der Petition fand sie „gut“.

Die Petition wird an den Hauptausschuss weitergegeben. Die Sitzungen im September und November könnten das Thema dann neu aufrollen. Allerdings gibt es einen Mehrheitsbeschluss – es bleibt also spannend, ob da überhaupt noch etwas zu machen ist.

Nienhaus beruhigte die Bürger damit, dass die Pläne ja nicht schon morgen umgesetzt würden. Es laufen zunächst Gespräche zwischen dem Landesbetrieb Straßen NRW und Sigrid Burkhart, der Technischen Beigeordneten. Im Jahr 2020 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. Es gilt abzuwarten, ob die Planung so weiterbesteht: „Lasst euch etwas anderes einfallen“, rief ein Bürger Ulrike Nienhaus abschließend zu.

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