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Hereinspaziert in Alt St. Martin

Hereinspaziert in Alt St. Martin

Kirche: Die Sanierung der Basilika ist mit der Einfügung des Tuffstein-Reliefs von Burkhard Siemsen über dem Portal praktisch fertig.

Kaarst. Vorsichtig lassen Jürgen Ambach und Wolfgang Hüllen den Stein vom Haken und passen ihn in das leere Bogenfeld von Alt St. Martin ein. Seit Weihnachten liegt das so genannte Portaltympanon in einer Neusser Bildhauer-Werkstatt zur Abholung bereit. Doch erst jetzt, nachdem der Frost nachgelassen hat, kann der Weiberner Tuffstein aus der Eifel einzementiert werden. Damit ist die umfangreiche Sanierung der Basilika quasi abgeschlossen.

Gestaltet hat das halbrunde Relief der Kaarster Künstler Burkhard Siemsen in Zusammenarbeit mit der Bildhauerin Ulrike Krall. Das Werk ist in seiner Gestaltung eng an die romanische Baustruktur der Kirche angelehnt. „Von der Entwurfsauslegung bis zur Fertigstellung ist nur etwas mehr als ein Jahr vergangen“, sagt Siemsen. Nur die Genehmigungverfahren hätten sich etwas länger hingezogen, da neben den unterschiedlichen Denkmalbehörden auch das Erzbistum ein Wörtchen mitreden wollte.

Die verschiedenen Motiv-Ebenen mit den drei besonders hervorgehobenen Kreisformen rufen eine Art räumliche Illusion hervor. „Das hat in gewisser Hinsicht einen auffordernden Charakter, sich dem Kircheninneren zu nähern“, sagt Siemsen. Jetzt muss der Tuffstein noch von innen verputzt und gestrichen werden, dann steht einer feierlichen Neueröffnung von Alt St. Martin nichts mehr im Weg. Was genau auf den Kreissymbolen zu sehen ist, erfahren die Besucher auf einer ausführlichen Legende, die noch angebracht werden soll.

Vor dem abgestuften Hintergrund des Steins erhebt sich eine Baumkrone, von der vier Äste ausgehen. „Diese sind bewusst wie die Posaunen von Jericho geformt, stehen aber gleichzeitig als Zeichen für die vier Evangelisten, die das Vermächtnis des Christentums verkünden“, erklärt der Künstler. Die drei sich berührenden Kreise wiederum seien ein uraltes Symbol für die Dreieinigkeit Gottes.

Im oberen Kreis ist das Symbol für den Hauptpatron St. Martin mit einer deutlich erkennbaren Anlehnung an die Form der Mantelteilung zu sehen. Links darunter befinden sich die Attribute der heiligen Apolonia, Zahn und Zange — letztere galt als ein Folterwerkzeug, das beim Martyrium von Heiligen zur Anwendung kam. „Die dritte Aura zeigt das Monogramm Karls des Großen, dem ja vermutlich Kaarst, von Karlsforst abgeleitet, seinen Namen zu verdanken hat“, erläutert Siemsen.