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Evangelische Kirche: Aus drei Gemeinden wird im Januar eine

Evangelische Kirche: Aus drei Gemeinden wird im Januar eine

Eine Pfarrstelle wird nicht mehr besetzt, Fusionsvertrag unterschrieben.

Kaarst. Erst erlebte er die Trennung vor 26 Jahren, jetzt darf er Zeuge der lang ersehnten Zusammenführung sein: Ulrich Caspers, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Holzbüttgen, unterzeichnete am Freitag den Fusionsvertrag der „evangelischen Kirchengemeinde in Kaarst“.

Konkret bedeutet das: Zum 1. Januar bestehen die jeweiligen Leitungsgremien der Kirchengemeinden Holzbüttgen (Lukaskirche), Büttgen (Johanneskirche) sowie Kaarst (Auferstehungskirche) nicht mehr, stattdessen lenkt ein Bevollmächtigtenausschuss fortan die neue Gemeinde.

Die seit fünf Jahren geplante Maßnahme war aufgrund der sinkenden Mitgliederzahl und der knappen finanziellen Ressourcen unausweichlich. „Wir sind einen Weg gegangen, auf dem wir viele Hürden nehmen mussten. Die Prozesse sind leider nicht ganz ohne Brüche abgelaufen“, erklärt Caspers. Um eine Kirchengemeinde in den Grenzen der Stadt Kaarst entstehen zu lassen, musste die Gemeinde Büttgen ihre zwei Bezirke Glehn an Korschenbroich und Grefrath an Neuss abgeben. Dass sie sich in drei Teile aufgelöst und mit zwei Neuen kooperiert hat, bezeichnet Michael Schneider, Vorsitzender des Presbyteriums Büttgen, als „absolute Premiere“ in der evangelischen Kirche im Rheinland.

Die neuen Strukturprozesse warfen viele Fragen auf. So überlegte man gemeinsam, wie man den Pfarrdienst so leiten könne, dass die Professionalität der Mitarbeiter weiterhin erhalten bleibt. „Der härteste Einschnitt besteht wohl darin, dass wir leider nur noch drei statt vier Pfarrstellen besetzen können“, so Carsten Schraml, Pfarrer der Kirchengemeinde Kaarst.

Trotz der personellen wie finanziellen Einsparmaßnahmen sind sich alle einig: Die Fusion ist der richtige, einzig mögliche Weg. Dass der Zusammenschluss nicht erst — wie geplant — im Jahr 2012 besiegelt wird, ist kein Zufall. Beschleunigt hat die Fusion Harald Wachter. Er ist vor einem Jahr als freier Moderator des Prozesses eingeschaltet worden. „Meine Aufgabe war es, das Tempo beizubehalten, wenn nicht anzuziehen. Wichtig ist vor allem, dass die inhaltliche Vielfalt jedes Bezirks erhalten bleibt und keine Einheitsgemeinde entsteht.“

Diese Herausforderung erkennt auch Hermann Schenck, Superintendent des Kirchenkreises Gladbach-Neuss. Seit der erstmaligen Trennung 1984 hat jeder Bezirk sein eigenes Profil entwickelt. „Der Schritt bedeutet Umorientierung und Integration in die neue Gemeinde. Grenzen müssen überwunden werden, sodass das Zusammenwachsen auch eine geistliche Aufgabe sein wird“, sagt Schenck. Neben der künftigen Pfarrbezirksbesetzung durch Werner Hoffmann (Büttgen/Driesch/Vorst), Ulrich Caspers (Holzbüttgen/Kaarst West) und Carsten Schraml (Kaarst Mitte/Ost) gibt es bereits ein neues Siegel: Es zeigt die aufgeschlagene Bibel mit dem Kreuz.