Die Synchron-Schmiede von Kaarst

G&G-Tonstudios vertonen Animes : Anime-Serie wird in Kaarst vertont

In den G&G-Tonstudios wird derzeit „Spice & Wolf“ synchronisiert.

Louis Friedemann Thiele ist mit dem ganzen Körper dabei, obwohl er eigentlich nur ins Mikrofon sprechen muss. Doch seine Gestik deutet darauf hin, dass er sich komplett in den Charakter, den er spricht, hineinversetzt. Lawrence Craft, Protagonist der Anime-Serie „Spice & Wolf“, die gerade in den G&G Tonstudios in Kaarst für den deutschen Markt synchronisiert wird, ist ein fahrender Händler im mittelalterlichen Europa. Er trifft in einem Dorf auf die Erntegöttin Holo, die in Gestalt eines Wolfes und eines Menschen umherwandelt. Gemeinsam mit Lawrence sucht sie einen Rückweg in ihre Heimat. Dabei erleben die beiden viele Abenteuer.

In Kaarst werden die erste und die zweite Staffel mit insgesamt 25 Folgen synchronisiert, derzeit wird an den Folgen fünf bis acht gearbeitet. Die Aufnahme von vier Folgen dauert rund zwei Monate. „Der Take war ein bisschen zu breit, bitte nochmal“ – die Anweisungen von Regisseur Fabian Raats nimmt Louis Friedemann Thiele auf und setzt sie wenige Sekunden später um. „Perfekt, so passt es“, sagt Raats: „Nur den Laut müssen wir nochmal machen.“ Also geht der Sprecher nochmal ans Mikrofon und stöhnt hinein – synchron zu den Lippenbewegungen der Figur, die er auf einem Bildschirm vor sich sieht.

Bevor seine Sätze aufgenommen werden, schaut sich Thiele die kurzen Sequenzen genau an, um zu wissen, wann sich die Lippen des Protagonisten bewegen und das richtige Timing zu erwischen. „Ich brauche dafür ein gutes Kurzzeitgedächtnis“, sagt er: „Texte auswendig lernen kann ich gar nicht.“

Die „Maniac Mansion“-Tentakel bekamen bei G&G ihre Stimmen

Louis Friedemann Thiele arbeitet schon viele Jahre als Synchronsprecher und ist in der Kartei des Studios hinterlegt. Auf der Suche nach einer passenden Stimme fiel die Wahl für die Stimme des Lawrence Craft dann auf ihn. Thiele hat bereits viele Filme und Serien gesprochen – doch eine Rolle hat ihn ganz besonders gefreut. Er war die deutsche Stimme des Schmieds Gendry in der Fantasy-Serie „Game of Thrones“. Gendry hat in der finalen Staffel der Serie Arya Stark, einer der Hauptfiguren der mehrfach ausgezeichneten Serie, vergeblich einen Heiratsantrag gemacht. „Ich mache viel Werbung und viele Dokumentationen. Gerade ist das neue Star-Wars-Spiel erschienen, da spreche ich auch die Hauptrolle. Ich bin jeden Tag im Studio und vertone unterschiedliche Sachen“, beschreibt Thiele seinen Job. Wichtig bei der Synchronisation sind Technik und Stimmung. „Man muss gucken, wie die Mundbewegungen sind und wo Pausen gemacht werden“, erklärt Thiele.

In den Studios wurden bereits über 1000 Episoden vertont, überwiegend Animes. „Wir haben aber auch schon Zeichentrick-Serien für den WDR gemacht“, sagt Nicole Hise. Sie hat die Dialog-Bücher für die „Spice & Wolf“-Übersetzung geschrieben und auch eine Rolle gesprochen. Gemeinsam mit Regisseur Fabian Raats und Thiele arbeitet sie seit August an der deutschen Synchronisation der Serie. Und alle sind große Anime-Fans. „Ich liebe das. Die Anime-Community ist wahnsinnig groß und bringt eine große Leidenschaft mit“, sagt Thiele. „Es ist auch sehr extrem. Bei Anime hat man sehr viel Übernatürliches“, ergänzt Nicole Hise. Das Spektrum von Animes reicht von Horrorfilmen über Comedy bis hin zu Space-Geschichten und klassisch erzählten Stoffen – wie „Spice & Wolf“. Raats ist dafür verantwortlich, dass die gesamte Technik passt. „Ich bin dafür zuständig, dem Synchronsprecher die Story so zu vermitteln, dass er den Charakter gut verkörpert“, sagt er. Im Fall von Lawrence Craft funktioniert das wunderbar.

Thomas Gesell, einer der beiden Geschäftsführer des Tonstudios, hat in den 1980er Jahren mit Musikproduktion angefangen. Irgendwann kam der große Boom der Computerspiele-Industrie. In den G&G-Studios wurden Klassiker wie „Maniac Mansion“ oder „Day of the Tentacle“ und aktuelle Hits wie „The Witcher 3“ synchronisiert. Die erste Anfrage, eine Anime-Serie zu synchronisieren, kam Anfang der 2000er. Damals vertonte das Team von Gesell und Grossmann die Serie „Trigun“.