Polizei in Kaarst „Meine Tür steht weiterhin jedem offen“

Interview | Kaarst · Polizeihauptkommissar Wolfgang Koch (57) leitet die Wache in Kaarst. Ein Gespräch über seine Arbeit, auch in Corona-Zeiten.

 Wolfgang Koch leitet die Kaarster Polizeiwache seit April 2018 – und möchte sehr gerne dort bleiben.

Wolfgang Koch leitet die Kaarster Polizeiwache seit April 2018 – und möchte sehr gerne dort bleiben.

Foto: Judith Michaelis (jumi)

Elisabeth Keldenich führte das
Gespräch

Herr Koch, welche Entwicklung beobachten Sie angesichts der Fallzahlen für die Kriminalitätsstatistik in Kaarst?

Wolfgang Koch: Ich freue mich sehr über einen positiven Trend, der sich auch im Land widerspiegelt: Im Jahr 2021 gab mit 1659 Fällen 98 weniger als im Vorjahr. Die Gesamtzahl aller Straftaten sank um 5,6 Prozent. Insgesamt konnte ein Rückgang von 20,1 Prozent über einen Vergleichszeitraum von fünf Jahren erreicht werden. Die Aufklärungsquote mit rund 50 Prozent ist auf konstantem Niveau.

Wie fällt ein kleiner Rückblick auf vier Jahre Tätigkeit als Kaarster Wachleiter aus?

Koch: Ich bin angekommen und fühle mich sehr wohl – hier möchte ich bis zu meiner Pensionierung bleiben! Ich habe sowohl zu den Mitarbeitern der Wache wie auch zur Bevölkerung ein gutes Verhältnis.

Mit welchen Anliegen kommen die Kaarster zu Ihnen?

Koch: Hauptsächlich handelt es sich um Beschwerden bezüglich des fließenden Verkehrs im Umfeld von Kindergärten und Schulen. Dort geht es oft um überhöhte Geschwindigkeit. Des Weiteren spielen Ruhestörungen aller Art eine Rolle. Manchmal gibt es auch Beanstandungen über angeblich falsches Verhalten von Kollegen. Sie konnten aber immer bei einem persönlichen Gespräch ausgeräumt und unser Standpunkt klar gemacht werden. Was mich positiv überrascht hat: Viele Menschen bedanken sich persönlich für unsere Hilfe.

Welche Kontrollschwerpunkte haben sich in Kaarst herauskristallisiert?

Koch: Gar keine! Straftaten verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet.

Wie hat sich die Polizeiarbeit in den vergangenen Jahren auch in Bezug auf Corona verändert?

Koch: Während der Pandemie und vor allem während des ersten harten Lockdowns waren die Fall- und Einsatzzahlen sehr rückläufig. Nun gehen vor allem die Einsätze während des Spätdienstes wieder in die Höhe. Ruhestörungen bleiben dabei eine große Baustelle. Ich habe Verständnis für Jugendliche, die wieder rausgehen wollen, aber sie müssen sich an Recht und Gesetz halten.

Wie sieht ein normaler Arbeitsalltag bei Ihnen aus?

Koch: Morgens informiere ich mich zunächst über die aktuelle kreis- und landesweite Lage. Danach folgen administrative Aufgaben und Einsatzplanungen, derzeit stehen Corona-Spaziergänge im Fokus. Außerdem nehme ich Außentermine mit ortsansässigen Vereinen oder der Stadt Kaarst wahr.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit den Dienststellen vor Ort, der Kreispolizeibehörde, der Stadt Kaarst und dem Ordnungsamt?

Koch: Die Zusammenarbeit klappt mit allen Stellen sehr gut! Vor allem mit der Stadt Kaarst und dem Ordnungsamt, dort werden viele Dinge auch auf dem kleinen Dienstweg geregelt. Beispiel: Wird die Corona-Schutzverordnung eingehalten? Da helfen wir dann mit.

Welche Präventionsmaßnahmen werden durchgeführt?

Koch: Verkehrssicherheitsberater sind regelmäßig in Kitas und Schulen unterwegs, oft begleitet von Bezirksbeamten. Besonders zum Schuljahresbeginn achten wir auf richtiges Verhalten der Autofahrer. Sehr am Herzen liegen mir Pedelec-Schulungen für Senioren. Hier überlege ich, wie man sie gezielter ansprechen kann. Außerdem möchte ich auf Präventionsangebote bezüglich Einbrüchen und Fahrraddiebstählen aufmerksam mache. Kodierungen von Rädern sind jederzeit kurzfristig bei uns möglich.

Konnten Sie Ihren Anspruch einer bürgernahen Polizei umsetzen?

Koch: Auf jeden Fall! Meine Tür steht weiterhin jedem offen und ich komme auch zum Hausbesuch.

Was hatte es eigentlich mit den nächtlichen Knallgeräuschen auf sich, die kürzlich die Bevölkerung erschreckten?

Koch: Die kamen wohl von einer Selbstschussanlage eines ortsansässigen Landwirts in Vorst. Es gab aber keine Beschwerden mehr darüber.

Gab es für Sie sehr belastende Fälle?

Koch: Als sehr schlimm empfunden habe ich die beiden tödlichen Badeunfälle 2018 im Kaarster See und den Tod eines Jugendlichen durch einen Fahrradunfall 2020. Das ist auch nach über 40 Dienstjahren noch sehr belastend.

Zum Abschluss: Schauen Sie gerne Krimis im Fernsehen?

Koch: Ich sehe sehr gerne Krimis bei Streamingdiensten, lieber als den klassischen Tatort (lacht). Der hat meistens wenig mit der Realität zu tun.

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