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Christine Beckers wird 102: 1928 war sie die einzige Frau mit Führerschein

Christine Beckers wird 102: 1928 war sie die einzige Frau mit Führerschein

Christine Beckers feiert am Sonntag mit ihrer Familie den 102. Geburtstag.

Kaarst. Sie trägt Hörgeräte, die Augen werden immer schlechter und bewegen kann sie sich nur noch mit einem Rollator, doch geistig ist Christine Beckers fit geblieben. Sie erinnert sich an Ereignisse, die 80 Jahre und länger zurückliegen. Zum Beispiel an ihren Führerschein. Den hat sie 1928 gemacht, weil sie in der elterlichen Bäckerei für die Auslieferung der Waren zuständig war: „Ich war damals die einzige Frau im Kreis, die fahren konnte und durfte“, sagt Beckers mit fester Stimme und leichtem rheinischen Dialekt.

83 Jahre nach ihrer Führerscheinprüfung sitzt die Seniorin in einem gemütlichen Sessel und blickt auf ihr Leben zurück. 102 Jahre alt wird sie am Sonntag, ein Alter, dass ihr selber unwirklich vorkommt: „Früher gab es keine 100-Jährigen, da war man mit 50 Jahren alt. Ich hätte nie gedacht, dass ich 102 werde.“

Geboren wird sie am 27. November 1909 in Korschenbroich. Ihre Eltern haben eine Bäckerei in der Nähe des Bahnhofs. Sie wächst mit zwei Brüdern und fünf Schwestern auf. „Die Jugend und der Übergang ins Erwachsenenalter waren meine schönste Zeit“, sagt Beckers. Nach der Schule arbeitet sie in der Bäckerei mit, ihr Leben spielt sich innerhalb der Großfamilie ab. In dem großen Elternhaus wird gefeiert, oder die Töchter gehen auf „Kriegerbälle“. Allerdings nie ohne Begleitung: „Vater und Mutter waren immer mit dabei, alleine durften wir nicht. Wir hatten strenge, aber gute Eltern“, sagt Beckers.

Bei einer Auslieferungsfahrt lernt sie ihren späteren Mann kennen, denn sie 1937 heiratet. 61 Jahre wird sie bis zu seinem Tod im Jahr 1998 mit ihm verheiratet sein. Das Hochzeitsbild hängt bis heute in ihrem Zimmer. Das junge Ehepaar bekommt einen Sohn. Ein Jahr später erreicht der Krieg auch Korschenbroich. Das Elternhaus wird von zwei Minen getroffen. „Die ganze Bäckerei war weg, da war nichts mehr“. Sie überlebt, weil sie mit ihrem Sohn unter einem Türbogen steht, der nicht einstürzt. Der Vater und eine Schwester sterben. Ereignisse, an die sich Christine Beckers nicht gerne erinnert.

Nach dem Krieg zieht sie mit ihrem Mann, der bei der Rheinland Versicherung arbeitet, nach Neuss in die Marienstraße. Bis zum Tod ihres Mannes lebt sie dort, danach im Neusser Caritas-Altenheim Lioba. Als das vor zwei Jahren schließt, zieht sie mit 99 Jahren ins St. Aldegundis Altenheim Büttgen. Sie kommt allerdings nicht alleine. Zwei Schwestern beziehen ihre Zimmer auf demselben Flur. „Wir haben gute Gene, ich bin auch nie ernsthaft krank gewesen“, sagt Beckers. Eine Schwester ist verstorben, die andere wird im Januar 99 Jahre alt.

Neben ihrer Schwester und ihrem Sohn hat sie noch zwei Enkel und drei Urenkel, die ihr am Sonntag gratulieren können. „Für das neue Lebensjahr wünsche ich mir eigentlich nur Gesundheit“ sagt Beckers. Und fügt augenzwinkernd hinzu: „So alt wie der Heesters möchte ich aber nicht werden.“