Afrikahilfe: Das Beste aus zwei Welten

Afrikahilfe: Das Beste aus zwei Welten

Aus einer Schnapsidee entstand ein Projekt, das 1600 Kindern in Kenia eine Schulbildung garantiert.

Kaarst. Rainer Kittel hat seinen letzten Sommerurlaub in Kenia verbracht. Und das nur zum Teil, um die Seele baumeln zu lassen. Der Kaarster wollte sich ein Bild von einem 1993 ins Leben gerufenen Schulprojekt in Ukunda im Norden von Kenia machen, von dem er aus vielen Erzählungen gehört hatte. Seine Erkenntnis: „Dort wird Großes geleistet.“

Wie das alles begann, kann am besten Kittels Freund Stephan Schilling erklären: „Es war eine Schnapsidee unter Kumpels an der Hotelbar in Kenia. Wir folgten der Einladung des Barkeepers in seine Wellblechhütte.

Er berichtete davon, dass in seiner Gemeinde eine vernünftige Schule fehlen würde. Dazu servierte er uns eine Mischung aus Bier und Brandy. Wir hatten alle eine große Klappe und sicherten ihm zu, dass wir das schon machen würden.“

Einen Tag und einen gehörigen Kater später stand die Urlaubsgruppe im Wort. Zurück in Deutschland konnte mit der Anschubfinanzierung eines befreundeten Unternehmers in Höhe von 50 000 Mark ein Grundstück erworben und mit viel Privatinitiative 1994 eine kleine Grundschule für 30 Kinder eingeweiht werden. Schilling: „Wir waren super stolz.“

Doch das sollte es noch nicht gewesen sein. Immer wieder reisten die Deutschen nach Kenia, um das Projekt zu begleiten. Der Verein Watoto (Suaheli für Kinder) wurde gegründet. Es entstanden im Verlauf der Jahre drei weitere Schulen, darunter auch eine High School. Von Spendengeld wurden ein Kindergarten, ein Internat und — besonders wichtig — eine Brunnenanlage gebaut.

1600 Kinder werden inzwischen in Ukunda unterrichtet. Darüber hinaus entstanden 450 Patenschaften, die nicht selten direkt an Kenias Galu Beach mit Urlaubern vereinbart wurden.

Doch die in diesem Jahr vor allem in Somalia ausgebrochene Hungersnot erfasste auch Kenias Norden. Und wieder kam Hilfe aus Deutschland. „Micki und Stefan Wentzel, die mittlerweile in Kenia leben und das Projekt vor Ort betreuen, stellten sich die Frage, ob es nicht möglich sei, 1000 Menschen zu bewegen, jeweils zehn Euro für einen Lastwagen voll mit Lebensmitteln zu spenden“, berichtet Rainer Kittel.

„In weniger als zwei Tagen war die erhoffte Summe dank der Internet-Plattform Helpedia, aber auch aufgrund von Aufrufen über Facebook zusammen“, erzählt der Kaarster noch immer etwas ungläubig. Ein Lastwagen konnte mit 15 Tonnen Maismehl, Bohnen und Öl auf die Reise geschickt werden.

Währenddessen wurden weitere 30 000 Euro gespendet, so dass noch in diesem Monat ein weiterer Hilfskonvoi starten soll. „Jeder weitere Cent hilft und kommt eins zu eins da an, wo er benötigt wird“, versichert der Werbeberater und Künstler, der auch die Mitglieder des Kaarster Küntlerkreises hinter sich weiß.

Was Watoto von anderen Hilfsorganisationen unterscheidet, versucht Stephan Schilling auf den Punkt zu bringen: „Wir wohnen nicht in 200 Kilometer entfernten Fünf-Sterne-Hotels und fahren auch keine 80 000-Euro-Jeeps, sondern packen so effektiv wie möglich direkt vor Ort an. Wir begegnen den Afrikanern auf Augenhöhe, wollen nicht missionieren, sondern das Beste aus zwei Welten zusammenbringen.“

Weitere Infos: www.watoto.de

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