In den Häfen ist es eng

In den Häfen ist es eng

Forschungsprojekt untersucht zusätzliche Möglichkeiten zur Ausweitung der Logistik-Aktivitäten.

Rhein-Kreis Neuss. Mit ihrem trimodalen Containerterminal (Schiene, Straße, Wasser) sind die Neuss-Düsseldorfer Häfen (NDH) schon jetzt eine der wichtigsten regionalen Drehscheiben. Nach einem überdurchschnittlich guten Jahr 2010 für die Logistikbranche will der Hafen seine Position weiter ausbauen.

Dazu gehört auch das Projekt „Weiterentwicklung der Logistikregion Rheinland“, von dem sich Hafen und der Rhein-Kreis Neuss als Projektpartner viel versprechen.

Das Forschungsprojekt, an dem die Hochschule Niederrhein beteiligt ist, wird mit 471 000 Euro vom Land gefördert. Das Gesamtbudget liegt bei rund 840 000 Euro.

23 000 Arbeitsplätze hängen an den Neuss-Düsseldorfer Häfen. Die Container, die vom Schiffs- auf den Straßenverkehr umgeleitet werden oder umgekehrt ihren Weg rheinauf- oder abwärts antreten, stapeln sich immer höher.

Doch in den Häfen wird es eng, Flächen fehlen. „Wir untersuchen, wo wir neue Grundstücke aktivieren können und welche Gleiskapazitäten vorhanden sind“, erläutert NDH-Geschäftsführer Rainer Schäfer einen Aspekt des Konzepts. Es wird überprüft, wie das Hinterland mit den Binnenhäfen vernetzt werden kann. Jedes Gewerbegebiet wird unter die Lupe genommen.

Geeignete Flächen werden registriert, Brachflächen reaktiviert, Areal wird dazugekauft. Containerlogistik, die nicht zwangsläufig an den Hafen gebunden ist, soll so an „Satelliten-Standorte“ ausgelagert werden. Erste Ergebnisse werden im Sommer erwartet.

Ein weiteres Ziel ist es, den Ablauf durch einen verbesserten Leercontainerumschlag und schnellere Lkw-Abrufzeiten zu optimieren. Geplant ist zudem der Aufbau eines zentralen Leercontainerdepots. Eine andere Säule im Konzept ist der Ausbau der „Motorways of the sea“. Dabei sei der Einsatz von Küstenmotorschiffen „stark ausbaufähig“, wie Schäfer betont.

Rund 500 Logistikunternehmen haben im Rhein-Kreis Neuss ihren Sitz, um Waren zu lagern, umzuschlagen und zu distribuieren. „Das ist eine Schlüsselbranche, die weiter wachsen wird“, erläutert Jürgen Steinmetz, Allgemeiner Vertreter des Landrats. „Der Charme bei diesem Projekt ist die Interkommunalität.“

Während im Krisenjahr 2009 auf den Terminals die Containerstapel schrumpften, sah es 2010 schon wieder viel besser aus. „Nach der großen Delle können wir jetzt einen guten Jahresabschluss vorlegen“, sagt Schäfer. Das Frachtvolumen wächst.

Der Bund will seinen 33-Prozent-Anteil an den Duisburger Häfen verkaufen. Die Neusser Hafengesellschaft sieht einen Anteilskauf eher skeptisch. Konkurrent Duisburg geht auch in Bezug auf die Logistik einen anderen Weg:

Zur Entwicklung von Logistikaktivitäten und der Vermarktung von Flächen wurde dort ein Joint Venture gegründet. „Wir wollen uns lieber in einem großen Verbund neue Satellitenflächen suchen“, so Schäfer.