Werbering kritisiert: Bahnstraße schadet dem Handel in Grevenbroich

„Parkplatz“ mit schmaler Fahrbahn : Werbering-Chef kritisiert die Umgestaltung der Bahnstraße

Heiner Schnorrenberg spricht von Schaden für den Handel. Die Stadt Grevenbroich sieht die Veränderungen positiv.

Aus Sicht der Stadtverwaltung ist die vor Monaten neu gestaltete Bahnstraße in Grevenbroich so etwas wie ein Erfolgsmodell. Mit Hilfe der engeren Fahrbahn konnte das Durchschnittstempo zwischen Ostwall und Erftbrücke gesenkt werden – und überhaupt nähmen die Verkehrsteilnehmer in diesem Abschnitt nun viel mehr Rücksicht aufeinander, bilanziert Rathaus-Sprecher Stephan Renner. Das sehe letztlich auch die Polizei so: „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Bahnstraße ein problematischer Bereich sein könnte, in dem Unfälle produziert werden.“

Viele Autofahrer mögen zu einer anderen Einschätzung kommen. Selbst wer sich in dem neu gestalteten Abschnitt eisern an das vorgeschriebene Tempo 20 hält, muss höllisch darauf achten, dass er einem entgegen kommenden oder vor der Ampel wartenden Fahrzeug nicht den Außenspiegel wegschrammt – weil die Fahrbahn halt nur noch fünf Meter breit ist und bis an deren Rand geparkt werden darf. Ist dann auch noch ein Transporter oder gar ein Lastwagen mit im Spiel, wird es eng.

Besonders kritisch geht es an der Einmündung zur Graf-Kessel-Straße zu, an der nun „rechts vor links“ gilt. Vom Ostwall her kommende Autofahrer müssen einerseits auf den von rechts einfahrenden Verkehr achten – gleichzeitig aber auch darauf aufpassen, dass sie die Linkskurve in Richtung Erftbrücke noch packen, um nicht auf die Gegenfahrbahn zu gelangen.

Stadtsprecher kündigt
punktuelle Anpassungen an

Renner gibt denn auch zu, dass die Neugestaltung „in Einzelfällen noch zu Unsicherheiten führen könnte – insbesondere bei Menschen, die mit der Verkehrssituation nicht vertraut sind“. Die Verwaltung gehe aber davon aus, dass „sich das im Wesentlichen schon gut eingespielt“ habe. Nichtsdestotrotz soll es künftig punktuell einige Anpassungen geben – „und zwar im Bereich der Barrierefreiheit“, sagt Renner. Gemeint sind etwa Querungshilfen, die deutlicher gekennzeichnet werden sollen. „Das sind eher Kleinigkeiten“, sagt der Rathaussprecher.

Nichts ändern soll sich für Radfahrer, die auch künftig gleichberechtigt mit dem Autoverkehr bleiben sollen. „Wer einen Radfahrer vor sich hat, muss hinter ihm bleiben“, sagte Bürgermeister Klaus Krützen kürzlich beim Stadtteilgespräch für die City.

Die mit Fördermitteln aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept gebaute Bahnstraße ist insbesondere dem Werbering ein Dorn im Auge. „Wir haben schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass die Neugestaltung nicht dazu beitragen wird, dass die Kunden in Richtung Innenstadt geführt werden“, erinnert Vorsitzender Heiner Schnorrenberg: „Genau das ist eingetreten.“ Die Straße sei deutlich zu eng, der Lieferverkehr werde beeinträchtigt, Radfahrer seien schlecht integriert. Das alles sei unattraktiv, kritisiert der Werbering-Chef: „Die neue Verkehrsführung schadet dem Handel.“

Zumindest optisch soll die „neue“ Bahnstraße im Frühjahr aufgepeppt werden. Dann sollen Säuleneichen gepflanzt werden. Und: Es gebe Anfragen von Gastronomen, die auf den „Sondernutzungsflächen“ im Sommer eine Außengastronomie anbieten möchten, sagt Renner: „Das wird zur Belebung beitragen.“