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Wegen Coronavirus: Grevenbroicher Schausteller beklagen Einnahmeverlust

Grevenbroicher Unternehmen in der Corona-Krise : Schausteller hoffen auf Besserung in der zweiten Jahreshälfte

Bis Ende Mai wurden sämtliche Veranstaltungen abgesagt.

Der Autoscooter von Norbert Lupp wird zurzeit Stück für Stück aufgebaut – aber nicht auf einer Kirmes, sondern auf dem Areal des Schaustellers in Hemmerden. Wartungsarbeiten stehen an, der Tüv ist bald fällig. Wann wieder Menschen in die Autoscooter-Wagen einsteigen und zum Vergnügen Runden auf der Anlage drehen, das weiß Norbert Lupp nicht. Er und andere Schausteller leiden massiv unter der Corona-Krise. Eigentlich hätte der Beginn der Fest-Saison angestanden, doch restliche Schützenfeste und andere Veranstaltungen bis Mai sind bereits abgesagt.

„Die Corona-Krise ist für uns Schausteller und für die gesamte Veranstaltungsbranche eine Katastrophe“, sagt Lupp. „Eigentlich wollten wir diese Woche nach Bochum, um den Autoscooter dort aufzubauen. Doch die Osterkirmes dort wurde abgesagt, sie wäre ein gutes Geschäft gewesen“, schildert der 54-Jährige. Bei rund 25 Terminen wollte der Hemmerdener 2020 mit seinem Fahrgeschäft präsent sein, zudem betreibt er Toilettenwagen und Reibekuchenverkauf, sein Sohn Marlon (21) einen „Breakdance“ mit rotierenden Gondeln.

Sechs Termine einschließlich der Schützenfeste in Neukirchen und Kleinenbroich sind für den Scooter bereits abgesagt. Lupp befürchtet, dass noch mehr Events gecancelt werden. „Die Einnahmen gehen auf Null runter, das ist ein kompletter Ausfall“, sagt er. Mit Einnahmeverlusten in fünf-, vielleicht sogar sechsstelliger Höhe rechnet Lupp, wenn das Veranstaltungsverbot längere Zeit anhält. „Man macht sich Gedanken, wie es weiter geht“. Das Problem sei, „dass wir die Letzten sind, die wieder hinausfahren dürfen, weil wir auf großen Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern vertreten sind. Wenn die Corona-Krise länger anhält, befürchte ich, dass einige Schausteller nicht durchhalten.“

Saisonkräfte aus Rumänien
erhielten eine Absage

Norbert Lupp hat bereits Konsequenzen gezogen. Saisonkräften, die seit Jahren aus Rumänien kommen, wurde abgesagt. „Alles wird auf Stopp gesetzt“. Kosten sparen ist die Devise, mehrere Lkw bleiben abgemeldet. Lupp nutzt die Zeit nun für Wartungsarbeiten an Fuhrpark und Halle, Fenster werden gestrichen. „Ich muss auf finanzielle Rücklagen zurückgreifen. Auf Sparflamme könnten wir zur Not bis zum Weihnachtsmarkt durchhalten, doch dann muss es weitergehen.“ Der Hemmerdener hofft natürlich auf einen deutlich früheren Start in die Saison – und darauf, „dass die Menschen nach der Krise hungrig auf Feste sind“. „Die Situation ist für Schausteller ganz übel, schlimmer kann es nicht kommen“, sagt Uwe Trippen. Der 58-Jährige ist seit fast 30 Jahren in dritter Generation im Schaustellergeschäft. „So einen Einbruch habe ich noch nie erlebt. Wir haben Null Einkünfte.“ Neben der Havanna-Bar betreibt Trippen zwei Schießwagen, Bierkutsche und Kindereisenbahn, die allesamt „arbeitslos“ in der Halle am Rittergut in Noithausen stehen.

Die ersten Ausfälle wegen des Coronavirus für Trippen sind die Schützenfeste in Münchrath und Neukirchen sowie der City-Frühling. Wie es weiter geht? „Wir können nur abwarten und hoffen, dass sich die Lage bessert.“ Kellnerinnen und anderen Helfern hat er für die nächste Zeit abgesagt. „Auch wenn sie andere Arbeit haben, schmerzt dieser Verlust, der für sie ein Zubrot ist.“ Trippen rechnet nicht damit, dass seine Wagen vor Pfingsten aus der Halle kommen.