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Vergängliche Kunstwerke im Bild festgehalten

Vergängliche Kunstwerke im Bild festgehalten

Margret Schopka hat ein Büchlein herausgegeben. Der Band lebt von der Spannung zwischen Text und Bild.

Grevenbroich. Noch ist er da, der filigrane „Teppich“ aus Sand und Kaffeesatz, der Besucher der Galerie Judith Dielämmer am Eingang auf die aktuelle Ausstellung einstimmt. Geschaffen hat ihn die Künstlerin Margret Schopka, mit einer Häkeltischdecke als Schablone.

Foto: SB/Dielämmer

Ähnliche Werke zauberte sie bereits in der freien Natur, im rauen Klima Islands, auf den Erdboden — wo ihnen Wind und Wetter sehr viel schneller den Garaus machen als die Schritte einiger unbedachter Galeriebesucher.

Doch keine Sorge, Margret Schopka hat ihre vergänglichen Kunstwerke auf Fotos festgehalten. Einige sind in ihrer aktuellen Ausstellung bei Dielämmer zu sehen, weitere gibt es jetzt in einem Büchlein zu bewundern, das die Künstlerin gemeinsam mit der Autorin Adrienne Brehmer jetzt in der Galerie vorstellte.

Adrienne Brehmer, 45, lebt als freie Schriftstellerin in Köln. Sie hat als Redakteurin gearbeitet und eine Reihe von Erzählungen und Gedichten veröffentlicht. Und sie sagte begeistert zu, als Margret Schopka sie Ende vergangenen Jahres um Texte zu ihren Bildern bat. „Sie hatte schon einen Dummy des Buches mit allen 20 Fotografien vorbereitet, und ich habe die Texte innerhalb von drei Wochen geschrieben“, erinnert sich die Autorin.

„Treten Sie ein“ heißt der Band, und er lebt von der Spannung zwischen Bild und Text. „Eine gewohnheitsmäßige, konventionelle Bildbetrachtung wird hier nicht gelingen, augenblicklich beginnt ein visuelles Vexierspiel“, so formuliert es die Künstlerin Beate Gördes in ihrem Vorwort. Da ist zum Beispiel eine schneebestäubte Ebene, auf welche Schopka mit Fußspuren das Ornament eines Pflanzenzweigs gezaubert hat. Adrienne Brehmer erzählt dazu von einem Zweig, dessen Duft alte Erinnerungen weckt: an das Fläschchen Rosenöl, das ihr die Mutter vor Jahren aus ihrer Heimat Bulgarien mitgebracht hatte.

Oder die „blaue Stunde“, welche die beiden Kreativen nicht nur als Name eines gemeinsamen intermedialen Kunstprojekts verbindet. Die ganz eigene Stimmung der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit entdeckt Adrienne Brehmer auch in Margret Schopkas Arbeiten wieder.

Nicht in Island, sondern im Kloster Willebadessen (nahe Detmold) hat Margret Schopka filigrane Ornamente mit Kaffee und Häkeltischdecke geschaffen, ähnlich demjenigen am Galerieeingang. Einfache Technik? Mag sein. Alles schon bekannt? Vielleicht. Wer sich von den Arbeiten bezaubern lässt, wird dennoch Adrienne Brehmer zustimmen, wenn sie sagt: „Es ist Zauberei.“

“ Margret Schopkas Ausstellung „Lichtbilder.is“ läuft noch bis Freitag in der Galerie Judith Dielämmer. Das Buch ist erhältlich bei Margret Schopka, info@margret-schopka, Preis: zehn Euro