Synagogenplatz Archäologen bergen altes Holzstück auf Baustelle in Grevenbroich

Bauarbeiten in Grevenbroich : Archäologen finden Siedlungsreste

Am Synagogenplatz kann nun weiter gebaut werden.

. Rund drei Wochen lang lag die Baustelle von Pick Projekt für ein Wohn- und Geschäftshaus am Synagogenplatz still, nun wurden die Bauarbeiten dort wieder aufgenommen. Die Arbeiten der Archäologen dort „werden heute abgeschlossen“, erklärte Claus Weber, wissenschaftlicher Referent beim Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland, am Montag. „Es kann weiter gebaut werden.“ Nun soll ein in der Grube geborgenes, etwa ein Meter langes Holzstück auf sein Alter untersucht werden.

Nach einer anonymen Mitteilung an das LVR-Amt in Bonn war der Bau am Synagogenplatz nach Pfingsten gestoppt worden. Anlass dafür ist eine Panne.

Das Amt für Bodendenkmalpflege war zuvor nicht von der Stadt Grevenbroich über den geplanten Neubau unterrichtet worden, wie es laut LVR sonst bei „archäologischen Verdachtsbereichen“ üblich sei. Die Stadtverwaltung räumte das Versäumnis ein.

„Es ist schade, dass wir das Areal nicht vorher untersuchen konnten“, erklärt Claus Weber. Nun rückten Mitarbeiter einer beauftragten Firma erst an, „nachdem die Baugrube weitgehend ausgehoben worden ist“, sagt Weber. Fündig wurden sie aber noch: Sie stießen unter anderem auf „eine alte Erftrinne mit dort eingebrachten Hölzern“. Außerdem fanden die Archäologen Siedlungsschichten, „die bis ins Hochmittelalter reichen“, wie Weber berichtet. Die Datierung konnte etwa aufgrund von Keramikteilen erfolgen.

Die meisten Funde bleiben im Boden unter der Betonplatte erhalten – „vielleicht für eine spätere Untersuchung“, sagt Claus Weber. Zunächst aber wird über ihnen der Neubau mit drei Etagen und Staffelgeschoss stehen. Das alte Holzstück wird laut Weber dendrochronologisch untersucht. Dabei wird der Fund aufgrund der Jahresringe von Bäumen einer bestimmten Wachstumszeit zugeordnet. Auch auf der Schlossbad-Baustelle waren die Archäologen vor einigen Jahren unter anderem auf Hölzer gestoßen, die in die Erde gerammten Holzpfähle weisen auf eine Uferbefestigung hin. Aber auch Fragmente eines Mühlsteins und ein Teil eines Mühlengetriebes kamen zutage. Ein Jahr lang ruhte die Bad-Baustelle.

Die Fertigstellung des rund 3,7 Millionen Euro teuren Neubaus von Pick Projekt ist für das Jahr 2020 vorgesehen. Stefan Pick hatte angekündigt, dass der Zeitverzug von drei Wochen wieder aufgeholt werde. cso-

Mehr von Westdeutsche Zeitung