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Schüler spielen die Angst vor dem Scheitern

Schüler spielen die Angst vor dem Scheitern

Die Theatergruppe Poco Mania der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule eröffnet das Schultheater-Festival in Düsseldorf.

Grevenbroich. Eigentlich ist Werner Aldenrath mit seinen vier Jahren Bühnenerfahrung schon ein alter Theater-Hase. Trotzdem fühlt sich der Abiturient vor dem nächsten Auftritt so nervös wie lange nicht mehr. Denn am Sonntagabend spielt Aldenrath mit der Theatergruppe Poco Mania im Düsseldorfer Central.

Auf der neuen Schauspielhaus-Bühne in der ehemaligen Paketpost eröffnet das Ensemble vor 700 Zuschauern das bundesweite Festival „Schultheater der Länder“. Das Stück „Aus dem Ruder: Hanno B.“ haben die Darsteller selbst geschrieben — nach Motiven aus Thomas Manns Familiensaga „Buddenbrooks“.

Poco Mania ist die Theater-AG der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule. Die 26 Mitglieder texten, spielen, inszenieren und kümmern sich um die Technik. Das Team besteht aus Schülern der Jahrgangsstufen 10 bis 13, Schulfremden und Ehemaligen — wie zum Beispiel Werner Aldenrath und Marius Panitz, die im Sommer ihr Abi gemacht haben.

Sie alle stellten sich für das neue Stück ihren Ängsten vor dem Scheitern. Hanno Buddenbrook ging es nicht anders. Schwächlich und empfindsam war der letzte Spross der Kaufmannsfamilie — und als Geschäftsmann eine völlige Niete. Doch das Stück dreht sich nicht um die Figur aus einem alten Buch. Stattdessen bringen die Pocomanen eigene Erfahrungen in verfremdeter Form auf die Bühne. So erzählen nicht weniger als 21 Hannos von ihren Versagensängsten.

„Wir machen kein klassisches Schülertheater mit Haupt- und Nebenrollen, sondern experimentelles Theater mit autobiografischem Ansatz“, erklärt Fachleiter Axel Mertens, der das Projekt 2002 ins Leben rief. Die Sorgen eines Hanno B. seien vom heutigen Schüleralltag nicht weit entfernt, glaubt er. „Der Bologna-Prozess und das Zentralabitur bringen bei allem Positiven eine starke Konzentration auf den Leistungsgedanken mit sich. Das führt bei vielen zu Ängsten“, sagt der Lehrer.

Auf diese Probleme will Mertens mit dem Stück hinweisen und zur Stärkung von Jugendlichen beitragen. „Durch das Theaterspielen habe ich viel an Selbstbewusstsein gewonnen und bin spontaner geworden“, sagt Marius Panitz, der im letzten Schuljahr an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule eine eigene Theatergruppe namens No Name auf die Beine gestellt hat. Dennoch soll die Bühne für ihn ein Hobby bleiben — genau wie für Werner Aldenrath. Panitz beginnt im kommenden Semester sein Jurastudium, Aldenrath studiert Betriebswirtschaftslehre.