Richtfest fü das Martius-Forum in Grevenrboich-Wevelinghoven

Katholische Gemeinde St. Martinus in Grevenbroich-Wevelinghoven : Neues Pfarrzentrum kostet 3,5 Millionen Euro

Für ihren Neubau „Martinus-Forum“ feierte die Katholische Gemeinde am Dienstag Richtfest.

Ein Neubau mit viel Licht und Glas direkt neben einem historischen Gebäude von 1653 – dass dieses Wagnis gelingen kann, beweist die Katholische Gemeinde St. Martinus Wevelinghoven. Sie feierte am Dienstagnachmittag Richtfest für den Neubau des Pfarrzentrums, das mit dem alten Pastorat aus dem 16. Jahrhundert und dem bereits sanierten Pfarrhaus künftig eine spannende Einheit bilden wird. 3,5 Millionen Euro kostet das gesamte „Martinus-Forum“, an dem seit neun Jahren geplant und gearbeitet wird.

Von einem „Wahnsinnsprojekt“ sprach Meik Schirpenbach, Leitender Pfarrer im Sendungsraum Katholische Kirche Grevenbroich und Rommerskirchen, im Neubau. Der wird auf 350 Quadratmetern Fläche und zwei Etagen künftig Pfarrsaal, Jugendräume und die Kinderbibliothek beherbergen. Gemeinde und Architektenteam hätten viel Mut und Offenheit bewiesen, um den Spannungsbogen aus dem Alten und Neuen zu schaffen, sagte Schirpenbach. „Ich bin stolz darauf, dass wir das alte Pastorat erhalten haben. Es hat Stimmen gegeben, die sagten: ,Fahrt mit dem Bagger dagegen“, doch die Stadt wäre damit ärmer geworden, betonte Schirpenbach nach dem Richtspruch vor vielen Gästen. Zu denen gehörten Bürgermeister Klaus Krützen, Landtagsabgeordnete Heike Troles, Dombaumeister Peter Füssenich und Pater Bruno Robeck, Prior im Kloster Langwaden.

Mut und Offenheit sollen nicht mit der Fertigstellung enden. „Was hier in den Räumen geschehen soll, dazu wollen einiges versuchen, wollen wir experimentieren“, erklärte der Leitende Pfarrer. Bürgermeister Krützen sprach von einem neuen Ort der Begegnung – „und die ist das, was zählt“. Frank Röttgen von „Röttgen + Thöni Architekten“ blickte auf die ersten Überlegungen 2010 zurück, 150 Bauzeichnungen seien für das Projekt erstellt worden. Der neue Komplex mit Pfarrsaal solle Offenheit symbolisieren, „sich an das Alte anlehnen, aber nicht wegducken“, erläuterte der Architekt.

„Der Neubau soll im März/April kommenden Jahres fertig sein“, kündigte Helmut Coenen vom Pfarrverein St. Martinus an. Der Verein hat bereits rund 60 000 Euro für das neue Inventar im Zentrum zusammengebracht. Seit rund sieben Jahren improvisiert die Gemeinde, seitdem die früheren Räume im Kruchen-Komplex nebenan nicht mehr zur Verfügung standen. Dort entstand das Seniorenzentrum. „Wir haben den St.-Martinus-Treff genutzt, das Seniorenstift hat uns Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, und die Karnevalsfeiern wurden nach Neukirchen ausgelagert“, schildert Kerstin Buchholz vom Pfarrverein.

Der Kamin im Pastorat
trägt die Jahreszahl 1653

Bereits in diesem Jahr fertig saniert sein soll das Pastorat. Im Rohbau nebenan waren Fotos vom alten Gemäuer vor der Restaurierung zu sehen, Holzbalken stützten das Mauerwerk. Jetzt ist die Erneuerung weit fortgeschritten. Die alten Holzbalken des Dachstuhls sind erhalten geblieben, ebenso die Kölner Decke. Zurzeit restauriert wird der Kamin mit der Jahreszahl 1653.

Der Pfarrverein hat für die Nutzung des historischen Gebäudes ein Konzept vorgelegt, das Haus soll zu einem Kultur-Treffpunkt über die Pfarre hinaus für alle Wevelinghovener werden. In einem Raum soll das Café Litho entstehen, eine Bibliothek mit heimatgeschichtlicher Literatur, die in den vergangenen 50 Jahren veröffentlicht wurde. Lesungen, Kunstprojekte und Veranstaltungen mit regional typischen Gerichten gehören auch zum Konzept.

Doch noch haben die Handwerker das Sagen. Beim Richtfest verteilte Helmut Coenen Buttons mit Sprüchen, die während der Planungs- und Bauzeit oft zu hören waren: „Das ist schön, aber teuer“, war etwa darauf zu lesen, und „Das kann man aber schlecht putzen“.

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