Neubau in Grevenbroicher Fußgängerzone ist große Herausforderung

Millionenprojekt am Synagogenplatz : In der City entsteht ein Pfahlbau

Das Wohn- und Geschäftshaus am Synagogenplatz wird auf 50 Pfählen gebaut.

Mitten in der Fußgängerzone laufen aufwendige Bauarbeiten: Das Unternehmen Pick Projekt investiert am Synagogenplatz 3,7 Millionen Euro in ein großes Wohn- und Geschäftshaus mit drei Etagen und Staffelgeschoss. Dort, wo einst der alte Pavillon mit der Parfümerie Gauls stand, bohrt zurzeit eine gewaltige Spezialmaschine zur Pfahlgründung zehn Meter tiefe Löcher in den Boden. Klar, dass viele Passanten stehen bleiben, die Arbeiten verfolgen.

 Bauen mitten in der Grevenbroicher Innenstadt – das ist eine technische und logistische Herausforderung. „Das fängt beim Platz an. Uns stehen nur 357 Quadratmeter Grundstücksfläche zur Verfügung, um insgesamt rund 1000 Quadratmeter Nutz- und Wohnfläche zu schaffen“, erläutert Stefan Pick, Geschäftsführer von Pick Projekt, auf der Baustelle. Lagerfläche ist damit knapp. Pick hat deshalb unter anderem einen Teil des Synagogenplatzes angemietet.

Die Bohrlöcher werden mit Beton verfüllt. Foto: Carsten Sommerfeld

Hohe Anforderungen an den Bau stellt vor allem der Untergrund. Unter der Erdoberfläche befindet sich zunächst eine rund drei Meter Schicht aus Bauschutt und vor allem aus Torf – der Neubau muss deshalb auf etlichen Betonpfählen gegründet werden. „Der Untergrund ist in der Innenstadt ein Problem, das ,Broich’ in Grevenbroich steht eben für Sumpf“, sagt Pick, Mehrere ältere Häuser seien deshalb nachträglich unterfangen worden. Auf den Einsatz einer Ramme wird laut Pick wegen der damit verbundenen Vibrationen im Umfeld verzichtet.

Bernd Tillmanns von der Firma Heinsberger Grundbau steuert die Spezialmaschine für das Kellybohrverfahren. An der Spitze einer 18 Meter langen Teleskopstange ist eine große Bohrschnecke montiert. Die frisst sich in einem Bohrrohr immer tiefer in den Boden.

20 Pfähle sind bereits fertig,
50 werden benötigt

Danach wird das knapp zehn Meter lange Loch mit Beton gefüllt und das Rohr wieder herausgezogen. 20 Pfähle sind bereits fertig, laut Bauleiter Stephan Müller werden je Tag drei bis vier geschafft. „Ursprünglich hatten wir gedacht, dass wir mehr als 60 Betonpfähle benötigen“, erklärt Pick, doch nach Prüfung der Statiker würden 50 ausreichen.

Jede Bohrstelle sei vom Kampfmittelräumdienst untersucht worden – „er hat gewissenhaft gearbeitet“. Wenn ab Ende Mai die Rohbauarbeiten laufen, steht die nächste logistische Herausforderung an. „Alle Transporte müssen über den Südwall erfolgen, wir werden uns mit der Verkehrslenkung abstimmen“, sagt Pick. Die Fertigstellung ist für 2020 vorgesehen.

Für das Erdgeschoss würde er gern einen Gastronomiebetrieb gewinnen, doch einfach ist das nicht. „Wir haben mit mehreren Gastronomen gesprochen, doch wegen der hohen Auflagen, die sie erfüllen müssen, sind sie zurückhaltend. Wir führen aber weiter Gespräche.“

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