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Mit Zukunftsbildern in den Wahlkampf

Daniel Rinkert, Bundestagskandidat der SPD : „Ich bin der einzige mit Zukunftsplan und klaren Zielen“

Der SPD-Kreisvorsitzende will es wissen: Daniel Rinkert kandidiert für den Bundestag und fordert das CDU-Schwergewicht Hermann Gröhe erneut heraus. Womit der 33-Jährige punkten will.

„Ich kenn’ Sie. Sie kommen aus Neurath“, sagt Marga Walbeck, die mit Abstand die älteste Besucherin sein dürfte, die sich dem Wahlkampfstand der SPD an diesem Samstagmorgen nähert. 101 Jahre ist die Grevenbroicherin alt, die mit ihrem Rollstuhl einen kurzen Halt unterm roten Sonnenschirm einlegt, um mit dem jungen Kandidaten aus dem Wahlkreis 108 ein kleines Gespräch zu führen. Dabei geht es weniger um Politik, mehr um den einen oder anderen Menschen aus dem Heimatort – unter dem Motto: „Kennen Sie den vielleicht auch?“

Daniel Rinkert nickt. Na klar, kennt er den – und er freut sich, dass auch er erkannt wird. Das ist wichtig. Denn der 33-Jährige kandidiert für den Bundestag, da gilt es, nicht nur Flagge, sondern auch Gesicht zu zeigen. An den Ständen in den Fußgängerzonen und in den Wohnstraßen der Kommunen des Wahlkreises. „An jeder dritten Haustüre werde ich zumindest erkannt“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Rund 10 000 Häuser haben Rinkert und sein Team zu dieser Zeit bereits bei ihrer Klinkenputz-Tour in Neuss, Grevenbroich, Dormagen und Rommerskirchen abgeklappert und sich vorgestellt, an etlichen Türen werden die Wahlkämpfer in den nächsten Wochen noch klingeln. Die Stimmung bisher? „Positiv“, sagt Rinkert. „Wir spüren Rückenwind.“

In Grevenbroich hat er ein Heimspiel. Am Wahlkampfstand – strategisch gut gegenüber des rege besuchten Eiscafés Toto platziert – klopfen ihm Passanten auf die Schulter: „Vill Jlöck“, wird ihm für den 26. September gewünscht. „Wird Zeit, dass mal Jüngere Verantwortung in der Hauptstadt übernehmen“, sagt ein anderer. Rinkert genießt in seiner Heimatstadt Popularität – kein Wunder, gehört er doch trotz seiner 33 Jahre schon zu den alten Hasen der Kommunalpolitik.

Mit 13 war er Klassen- und Schulsprecher in der Realschule an der Bergheimer Straße, mit 15 kam er in den Jugendrat und wurde gleichzeitig Mitglied der SPD. Manfred Kauertz, das sozialdemokratische Urgestein aus Neurath, nahm ihn an die Hand, ermunterte ihn zur aktiven kommunalpolitischen Arbeit. Mit Erfolg: Mit 21 zog Rinkert in den Stadtrat ein – und übernahm noch im selben Jahr den Parteivorsitz in Grevenbroich. Heute lenkt er als Chef die SPD-Ratsfraktion und auch die Geschicke der Sozialdemokraten im Kreis. Eine steile kommunalpolitische Karriere, die mit dem Einzug in den Bundestag gekrönt werden soll.

Im September 2017 hat Rinkert es schon einmal probiert und CDU-Schwergewicht Hermann Gröhe im Wahlkreis 108 herausgefordert. Obwohl er unterlag, war der Jurist nicht unzufrieden mit seinem Ergebnis. Mit 28,6 Prozent der Erststimmen erreichte er seinen persönlichen Achtungserfolg, in seiner Heimatstadt Grevenbroich holte er 30,5 Prozent. „Für einen Neuling war das ein ganz ordentliches Ergebnis“, sagt er. Ein kleiner Trost, der sicher auch das Ego stärkt: Nach einer im Wahljahr veröffentlichten Studie der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität war der Neurather zumindest der attraktivste männliche Direktkandidat im Großraum Düsseldorf. Nebenbei: Daniel Rinkert ist noch zu haben.

Zwar auf Platz 33 der Landesliste angesiedelt, rechnet sich der 33-Jährige durchaus Chancen aus, diesmal den Sprung nach Berlin schaffen zu können. „Wir haben gute Erfolgsaussichten – denn es wird sehr eng werden im Wahlkreis 108“, sagt er mit Blick auf aktuelle Prognosen. Was ihn von den Kandidaten der anderen Parteien unterscheide: „Ich bin der einzige, der mit einem Zukunftsplan und klaren Zielen in den Wahlkampf gezogen ist.“

Damit spielt Rinkert auf sein Programm an, das in mehr als 50 000 Briefkästen landete. Der 33-Jährige, der beruflich als Leiter der Region Westdeutschland im Verband der Elektrotechnik (VDE) tätig ist, zeigt darin sechs Zukunftsbilder für die Kommunen im Wahlkreis auf. Unter anderem will er mit einem „Reallabor für nachhaltige Stadtentwicklung neue Akzente in der Grevenbroicher Innenstadt setzen, sich für ein „Zentrum für Wasserstoff“ in Dormagen und einen Zukunftsbahnhof in Neuss stark machen. Und: Er möchte eine Bundesgartenschau zwischen Rhein, Erft und Gillbach ermöglichen: „Gartenschauen sind ein moderner, wirkungsvoller Motor für die klimafreundliche und nachhaltige Entwicklung.“

Nicht aufgegeben hatRinkert seine Idee von einer Hochschule im Rhein-Kreis: „Wo heute Braunkohle abgebaut wird, ist in Zukunft viel Platz für eine Uni. Was dort einmal erdacht oder erforscht wird, muss bei uns in Serie gehen. Das schafft gute Arbeit mit besten Zukunftschancen für die jungen Menschen in unserer Region.“ Als Rinkert diese Idee erstmals im Januar 2020 formulierte, gab es so manche – nett formuliert – skeptische Stimme. „Das hat sich längst gelegt“, meint der Neurather lächelnd: „Mittlerweile haben auch andere Parteien die Idee von einer Hochschule in unserem Kreis
aufgegriffen.“