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Kapellen: Gift-Splitt unter dem Pflaster

Kapellen: Gift-Splitt unter dem Pflaster

Stadt und Kreis informieren die Anwohner in Kapellen über die möglichen Gefahren.

Grevenbroich. Die Hausbesitzer im Neubaugebiet Kapellen sind stark verunsichert. Das zeigte sich jetzt während einer Bürgerversammlung, bei der Stadt, Kreis sowie die Deutsche Stadt- und Entwicklungsgesellschaft (DSK) über giftigen Splitt unter den Pflastersteinen in den Straßen Apothekerpfädchen, Melissen-, Malven- und Mistelweg und Im Weizenfeld informierte. Die Anwohner äußerten ihre Besorgnis vor allem angesichts der Gefahr möglicher Langzeitschäden.

Ein Mitarbeiter der Stadt hatte im März zufällig festgestellt, dass der Splitt ungewöhnlich große Klumpen enthielt. Diese kommen in dem bei der ausführenden Baufirma Tholen bestellten Natursand-Basaltgemisch nicht vor.

Eine Untersuchung ergab, dass die Ende 2008 verbaute, drei Zentimeter dicke Splittschicht sehr hohe Arsen-, Blei-, Kupfer- und Zinkwerte sowie deutlich erhöhte Cadmium-, Chrom- und Nickelwerte aufweist. Ein Sachverständiger empfahl, das belastete Material zu entfernen. Betroffen ist eine rund 8200 Quadratmeter große Fläche.

Anfang Mai wurde bereits der Splitt unter den Pflastersteinen im Bereich eines kleinen Spielplatzes ausgetauscht. „Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Sand gewechselt, der allerdings nicht belastet war“, erklärt Stadtsprecher Andreas Sterken. Bevor auch die restliche Fläche saniert werden kann, müssen Experten zunächst ein Entsorgungskonzept entwerfen.

Danach folgt eine öffentliche Ausschreibung. „Wir rechnen damit, dass die Arbeiten Anfang Oktober beginnen können“, sagt Sterken. Es könne zum Beispiel notwendig sein, die Baustelle mit einer Einhausung zu versehen, damit der giftige Splitt nicht durch Windverwehungen in die Umwelt gelangt.

Gefährlich soll der Splitt laut des Gutachtens nur sein, wenn er freigelegt wird. Solange sich das Gemisch unter den Pflastersteinen befindet, bestehe keine akute Gefahr. Das bestätigte der Toxikologe Ulrich Evers, der ein weiteres Gutachten erstellt hatte. Er verwies zwar darauf, dass spielende Kinder Giftstoffe aufgenommen haben könnten, als der Splitt während der Bauarbeiten auf der Straße lag. Mit Spätfolgen sei jedoch nicht zu rechnen.

„Es ist absolut unwahrscheinlich, dass Kinder bedenkliche Mengen der Giftstoffe aufgenommen haben, weil das Material nur eine begrenzte Zeit auf der Straße gelagert wurde“, sagt Michael Dörr, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Aktuell Blutproben zu nehmen, sei unsinnig, da die Stoffe nach der langen Zeit längst nicht mehr nachweisbar seien.

Laut Dörr wäre lediglich Blut interessant, das maximal 120 Tage nach Aufnahme der giftigen Schwermetalle abgenommen wurde. Dörr: „Sollte es noch Ergebnisse von Blutproben aus dieser Zeit geben, werden wir uns diese gerne anschauen.“

Die Piratenpartei zweifelt das von Evers erstellte Gutachten an, weil es nicht ausreiche, um den Bürgern die Sorge vor Langzeitschäden zu nehmen. Evers sei kein zugelassener Sachverständiger für Bodenschutz und Altlasten. „Wir fordern deshalb von der Stadt und dem Kreis ein Zweitgutachten von einem solchen Sachverständigen“, sagt Parteimitglied Peter-Theo Schäfer.

Viele Anwohner bemängelten die Proben, die von der Kreis-Bodenschutzbehörde in ihren Gärten genommen wurden. Einige zweifeln an, dass diese aus einer ausreichenden Tiefe stammen. „Es gibt verbindliche Richtlinien, wie diese Proben zu nehmen sind, und diese wurden eingehalten“, entgegnet Stadtsprecher Andreas Sterken. Auffällige Werte wurden dabei nicht entdeckt.