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Integration förderbedürftiger Schüler: Außenseiter im Gymnasium?

Integration förderbedürftiger Schüler: Außenseiter im Gymnasium?

Verwaltung äußert heftige Kritik an der Verpflichtung, förderbedürftige Schüler zu integrieren.

Grevenbroich. Die eine Baustelle ist noch nicht abgeschlossen, da öffnet sich schon die nächste. Die Kontroversen um die Planung des kommenden Schuljahrs an den Schulen in Grevenbroich gehen weiter. Nachdem ein sogenanntes bedingtes Zweitanmeldeverfahren und anschließender Bürgerentscheid über den Verbleib der Realschule Bergheimer Straße entscheiden muss, gibt es jetzt auch Ärger an den beiden Gymnasien der Stadt. Auslöser sind zwei integrative Gruppen mit förderbedürftigen Schülern, die gebildet werden sollen.

Hintergrund: Vor jedem Schuljahr fragt der Kreis bei Grund- und Förderschulen an, ob es Eltern gibt, die ihre Kinder mit Lernschwäche an einer regulären weiterführenden Schule anmelden würden. 20 Kinder in vier Gruppen aus dem Einzugsgebiet Grevenbroich werden das im kommenden Schuljahr sein. In diesen integrativen Gruppen werden dann zusätzliche Pädagogen eingesetzt. Zwei Gruppen werden an den Gesamtschulen gebildet, dort hat man gute Erfahrungen gemacht: „Viele Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder in einer Klasse mit den förderbedürftigen Kindern unterrichtet werden, weil sie wissen, dass dort oft zwei Lehrer vor Ort sind und ihre Kinder profitieren“, erklärt Schulamtsleiter Thomas Staff.

Weil nun aber zwei weitere integrative Gruppen auf die Gymnasien aufgeteilt werden müssen, steht Ärger ins Haus: „Die Eltern haben große Sorge, dass ihre Kinder auf dem Gymnasium keine Chance haben. Trotzdem wollen sie das integrative Angebot nutzen und ihre Kinder nicht auf eine Förderschule schicken“, sagt Bürgermeisterin Ursula Kwasny. Michael Heesch, Erster Beigeordneter der Stadt, versteht die Sorgen der Eltern: „Sie sind richtig verzweifelt. Die Chance, dass ihre Kinder so zu Außenseitern werden, ist sehr groß.“

Doch im Rathaus kann man nur moderieren, die Vorgaben des Landes sind klar und können nicht umgangen werden. „Das ist katastrophal. Die in Düsseldorf müssten mal hierhin kommen und sich ansehen, was sie anrichten“, sagt Staff. „Wenn ab dem nächsten Jahr keine neuen fünften Klassen mehr an den Förderschulen gebildet werden, wird die Situation noch viel schlimmer. Auf solche Umstellungen müssen die Schulen vorbereitet werden, das kann man nicht einfach von oben herab bestimmen.“