Großer Ärger über Umbau der Bahnstraße in Grevenbroich

Bürger-Versammlung in Grevenbroich : Unzufriedenheit an der Bahnstraße

Nach der ersten Umbauphase machten jetzt Bürger ihrer Wut über die „katastrophale“ Verkehrssituation in ihrer Straße Luft.

Eigentlich wollte die Stadt über Bauzeiten und Sperrungen für den zweiten Umbauabschnitt der Bahnstraße informieren. Doch Beigeordneter Florian Herpel, der die Versammlung moderierte, ahnte, was da auf die Verwaltung zukam. „Ich bitte um Verständnis, dass wir hier nicht über das Grundsätzliche der Planung diskutieren“, sagte er zu Beginn. Doch genau das erwarteten etliche Teilnehmer. Sie machten ihrem Ärger über den fertigen Abschnitt zwischen Fußgängerzone und Ostwall Luft. Ob Geschäftsleute, Autofahrer, Radler oder Fußgänger – es hagelte Beschwerden, verbunden mit der Forderung, Fehler nicht auf dem zweiten Teilstück zu wiederholen.

Als „Katastrophe für Fahrradfahrer“, bezeichnete ein Grevenbroicher, der 90 Prozent seiner Erledigungen mit dem Rad abwickelt, die bisherige Neugestaltung.

Die Aussagen Herpels stießen auf heftigen Protest einiger Bürger

Die Kritik mehrerer: Da der Radverkehr keine eigene Spur habe, würden sich Autos auf der schmalen Fahrbahn an Radfahrern vorbeiquetschen. An der Kreuzung vor dem Ostwall stünden Radler mehrere Ampelphasen im Stau, inmitten von Autoabgasen. Fußgänger berichteten von Kollisionen mit Radlern auf dem Bürgersteig, Autofahrer von Remplern wegen Pollern und Laternen. Und die Lösung der Doppelparkplätze führe zum Chaos.

Auch Herpel habe „Wild-West-ähnliches Parken“ beobachtet: „Wir haben eine neue Verkehrssituation. Es funktioniere, „wenn sich alle rücksichtsvoll verhalten“. Das stieß auf Protest. „Ich finde es nicht in Ordnung, dass Sie alle Bedenken der Bürger damit abtun, Ursache sei rüpelhaftes Benehmen. Warum erkennen Sie nicht, dass die Planung schlecht ist?“, fragte ein Teilnehmer. Herpel verwies darauf, dass Grundlage des Umbaus Beschlüsse des Rats seien, denen eine umfassende Bürgerbeteiligung vorausgegangen sei.

Doch wie soll es weitergehen? Der ehemalige Stadtdirektor Heiner Küpper appellierte, „innezuhalten“, Erfahrungen auszuwerten und Mängel im zweiten Abschnitt abzustellen. Ein Problem: Beim Umstoßen der Planung, etwa bei der geplanten Einbahnstraße, droht aus Sicht der Verwaltung der Verlust von Zuschüssen. „Wir sollten prüfen, was geändert werden kann, ohne Zuschüsse zu gefährden“, sagt Grünen-Fraktionschef Dirk Gawlinski, der als Ratsherr das „Dilemma“ mit verursacht habe, nun aber „nicht mehr ganz hinter den Plänen“ stehe.

Auch SPD-Ratsherr Holger Holzgräber sah es an der Zeit, „nach dem ersten Abschnitt „nachzudenken, was geändert werden sollte“. Martina Suermann von „Mein Grevenbroich“ betonte nach der Versammlung: „Die Unzufriedenheit nahezu aller Anwesenden mit den erfolgten ISEK-Maßnahmen war deutlich, es war keine Betroffenheit Einzelner, so wie es die Verwaltung immer wieder betont hat. Wir erwarten, dass im politischen Raum erneut über die bevorstehenden Maßnahmen diskutiert wird, damit sich Planungsmängel nicht wiederholen. Ein Augen-zu-und-durch wäre eine fatale Entscheidung.“

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