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Grevenbroicher ist mit schönen Vögeln zu Meisterschaften unterwegs

Vogelfreunde in Grevenbroich : Grevenbroicher fährt zur Vogelzüchter-WM

Helmut Kramer züchtet Mosaikkanarien und nahm schon an vielen Meisterschaften teil.

Einen kleinen Gesangverein hat Helmut Kramer im Keller. Wenn er die Tür öffnet, pfeifen und trällern mehr als 20 kleine Vögel in ihren Volieren: Niedliche rot-weiße Mosaikkanarien, die der 77-Jährige seit Jahren züchtet. Manche der Tiere sind bereits weit gereist. Der Grevenbroicher, der seit 1976 Vorsitzender der Vogelfreunde Allrath ist, hat mit ihnen an Meisterschaften teilgenommen. In wenigen Tagen fährt er – diesmal ohne Vögel – zur Weltmeisterschaft der Vogelzüchter in Porto, er organisiert die Fahrt dorthin für 50 Kollegen.

Seit seiner Kindheit begeistern Helmut Kramer die gefiederten Geschöpfe. „Bereits mein Großvater hat Vögel gezüchtet. Es ist schön, mit Lebewesen zu tun zu haben. Und wenn man nach einem stressigen Tag nach Hause kommt und eine Stunde bei den Vögeln verbringt, ist man nachher ein anderer Mensch, ist entspannt“, sagt Kramer. Viele Jahre hat der Ruheständler bei Aldi gearbeitet, er war Filialleiter in Grevenbroich und Gindorf.

Rund 13 bis 14 Zentimeter groß sind die Mosaikkanarien, auf deren Zucht sich Helmut Kramer spezialisiert hat. Foto: Carsten Sommerfeld

Löwenzahn, Möhren und
Gurke gehören zum Speiseplan

Der Grevenbroicher hat sich ganz auf rot-weiße Mosaikkanarien spezialisiert. Die Vögel, etwa 13 bis 14 Zentimeter klein, haben ein überwiegend weißes Gefieder mit roten Flecken. Bei der Zucht werde darauf geachtet, dass bestimmte Areale rot gefärbt seien, schildert der Züchter. Dazu gehören ein roter Fleck auf der Brust und auf dem Flügelbug sowie ein roter Augenstreif. „Nur die Männchen haben eine rote Maske auf der Stirn.“ Allzu zutraulich sind die geselligen Mosaikkanarien nicht, aber große Angst haben sie auch nicht vor den aus ihrer Sicht riesigen Zweibeinern vor dem Käfig. Sie betrachten das Treiben jenseits der Gitterstäbe. Etwa wenn Helmut Kramer die Mahlzeit zubereitet. Neben Futtermischungen gibt es „viel Grün – Löwenzahn, Gurke und Paprika“, sagt Kramer.

Auch Möhren gehören zum Speiseplan, das Beta-Karotin soll die Gefiederfarbe intensivieren. Zurzeit bereitet er die nächste Zucht vor, dann steigt die Population von 28 auf mehr als 40. Für nicht zur Zucht benötigte Tiere gebe es reichlich Interessenten. Der Grevenbroicher ist mit seinen Tieren nicht nur bei Ausstellungen in der Region präsent, sondern fährt auch zu Meisterschaften. In früheren Jahrzehnten war er mit seinen Vögeln – allerdings mit anderen Kanarien – Landes- und sogar Deutscher Meister.

Auch an Weltmeisterschaften hat Helmut Kramer bereits oft teilgenommen, allerdings ohne Medaillenerfolg – bislang. „Ich arbeite daran. Die Züchter aus Italien, Spanien und Portugal sind starke Konkurrenten.“ Auch bei der kommenden Weltmeisterschaft Ende Januar im portugiesischen Porto ist Helmut Kramer dabei, diesmal allerdings nicht als Teilnehmer. Er organisiert wie schon in früheren Jahren die Fahrt mit Hotelaufenthalt für rund 50 Vogelzüchter. Auch eine Stadtbesichtigung steht auf dem Programm.

Vereine verzeichnen
sinkende Mitgliederzahlen

Einige Jahre lang hatte Helmut Kramer bei Meisterschaften eine verantwortungsvolle Aufgabe. Er begleitete die Anreise der Vögel zum Austragungsort. „Zu Deutschen Meisterschaften sind wir mit 500 bis 700 Vögeln im Reisebus gefahren.“ Für die gefiederten Reisenden wurden etliche Sitzbänke ausgebaut, damit die Taschen mit den Tieren Platz haben. Fast überall, wo Meisterschaften ausgetragen werden, „kenne ich andere Züchter“, sagt der Grevenbroicher.Auch sonst ist die Vogelzucht alles andere als ein einsames Hobby. Da wird unter Kollegen gefachsimpelt, werden Tipps ausgetauscht. Helmut Kramer ist Vorsitzender der 1976 gegründeten Vogelfreunde Allrath. Etwa ein Dutzend Züchter gehört zum Verein. Der jüngste ist 13, der ältere mehr als 80 Jahre alt. Doch die Mitgliederzahl sei wie auch in vielen anderen Vereinen gesunken. „Viele Jugendliche haben heute andere Interessen“, sagt Helmut Kramer. „Und es wird immer schwieriger, für Ausstellungen, bei denen wir auf unser Hobby aufmerksam machen, Räumlichkeiten zu finden.“ So gebe es immer weniger Gaststätten mit Saal.

Eine Lösung: Die Vogelfreunde Allrath tun sich, wie Helmut Kramer berichtet, seit einigen Jahren mit anderen Vereinen zusammen, gemeinsam präsentierten sie vor kurzem ihre Vögel in der Schützenhalle in Anstel. Doch jetzt steht erst einmal der Porto-Besuch auf dem Programm. Die Mosaikkanarien bleiben diesmal zu Hause. Kramer ist aber nicht nur als Reise-Organisator in Portugal, sondern „ich will auch sehen, wo die Konkurrenz steht“ – für künftige
Meisterschaften.