Grevenbroich: Wie Motorradfahrer für den Sommer trainieren

Fahrsicherheitstraining in Grevenbroich : Biker treffen sich zum Sicherheitstraining

Motorradfahrer nahmen Trainingseinheiten im Zentrum an der Elfgen Dorfstraße.

Unermüdlich ziehen Thomas, Florian, André, Steffen, Danny, Lars, Carsten, Jörg und Sebastian ihre Runden. Brav folgen sie dem jeweiligen Fingerzeig von Trainer Ralf Gottwald, lassen sich aus dem Parcours rauswinken und hören sich geduldig an, was sie – wieder – falsch gemacht haben. Denn die reine Männermannschaft, die hier trainiert, sind Motorradliebhaber, die „noch sicherer“ unterwegs sein wollen. „Und da gibt es eine Menge zu lernen“, wie der Coach ungerührt erklärt.

Er selbst lenkt seit 54 Jahren eine solche Maschine und arbeitet seit 25 Jahren in dem Trainerjob. – übrigens bildet er auch Chauffeure aus, „aber das ist eine ganz andere Geschichte“, fokussiert er sich aufs Zweirad. „Je mehr ich kann, desto souveräner fahre ich“, lautet seine einfache Maxime. Und Sicherheit ist nun mal oberstes Gebot – vor allem, wenn es um den „Trick mit dem Knie“, neudeutsch „Hanging off“ geht. Das ist ein Ausbildungsaspekt fürs Rennstreckentraining, nur für geübte Biker und niemals im alltäglichen Straßenverkehr anzuwenden, erläutert der Profi. Denn wer ein Mal so weit unten in Schräglage ist, kann im Normalverkehr nicht schnell genug situativ reagieren. Alle nicken brav, setzen sich wieder auf ihre Hobel und ziehen ihre Kurven. 500 Meter, gefahren bei 50 Stundenkilometern, misst eine Runde, „davon drehen wir heute etwa 100“. Gelehrt werden vom strengen Übungsleiter Sitzposition, Blickführung und „das notwendige Gefühl für die Maschine zu bekommen“. Denn ehe Mensch und Maschine quasi eine Einheit sind, vergeht Zeit,

„Du guckst schlimmer als meine Frau“, frotzelt ein Teilnehmer, nachdem er ebenso wortreich wie intensiv mit seinem fehlerhaften Fahrstil auseinander genommen wurde. „Der Arm muss baumeln, also locker aufliegen“, korrigiert Ralf eine „total fehlerhafte Haltung“. Die Kurven, fordert er, sollen weit gefahren und nicht abgekürzt werden. „Das ist deutlich sicherer, weil übersichtlicher“. Und am Lenker wird auch nicht „gezerrt. Nimm mal den Kopf hoch und werde mit deinem Körper aktiver“, fordert er mehr Sportlichkeit.

Unruhige und harte Bewegungen, so führt er aus, sind „immer gefährlich. In den Trainingseinheiten geht es vor allem darum, sicher zu fahren. Tempo spielt hier keine Rolle“, was für die Zaungäste am Fahrsicherheitszentrum an der Elfgen Dorfstraße bedeutet, kein dickes Spektakel, sondern immer wieder wiederholte Übungseinheiten zu sehen. Letztlich müssen die Biker auch die Fähigkeit der Selbsteinschätzung im Hinblick auf aktive und passive Sicherheit erlernen. Mit Geduld, zwar oft flapsigen Sprüchen, aber ebenso viel Fingerspitzengefühl betreut er Übungsleiter seine Schüler auf dem Weg zum letzten Schliff. Und bei denen war die Gaudi riesig, „Riesenspaß hat’s gemacht“ – „ich will das Motorrad in allen Situationen kennen, um immer perfekt unterwegs zu sein“, wie Danny stellvertretend für den Rest der Übungsgruppe formuliert.

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