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Grevenbroich: Tierschützer retten 50 Wellensittiche vor Feuer-Tod

Brand in Gustorf gibt Rätsel auf : 50 Wellensittiche überleben Brand

Der nächtliche Brand bei Hobby-Züchtern in einem Gustorfer Schrebergarten gibt Rätsel auf. Die Feuerwehr war fünf Stunden im Einsatz. Tierschützer brachten die panischen Sittiche in Sicherheit. Für 20 Vögel kam jede Hilfe zu spät.

Es liegt noch Brandgeruch über der Schrebergartenanlage an der Erlenstraße, als sich Claudia Zerlik vom Kreis-Veterinäramt am Freitag die Gittertür zur Voliere aufschließen lässt. In dem großen Käfig flattern und zwitschern die Tiere, die die Brand-Nacht überlebt haben: 50 Wellensittiche in unterschiedlichen Farben. Zerlik will Gewissheit darüber haben, dass die Vögel artgerecht untergebracht sind und zur Ruhe kommen können – gerade nach dem Stress, dem sie in der Nacht zu Donnerstag ausgesetzt waren. Das Urteil der Tierärztin: „Den Wellensittichen geht es gut. Sie haben genug Platz, können fliegen.“

Die Besitzer des Kleingartens an der Erlenstraße, ein Ehepaar aus der Südstadt, führen die Tierschützerin bereitwillig durch den Garten, in dem überall Trümmer liegen: verkohlte Holzbalken, verschmorte Werkzeuge, Reste eines Rasenmähers. Alles ist pechschwarz, überall nasse Asche, überall Ruß. „Das Feuer gibt uns Rätsel auf“, sagt die Frau: „Wir können uns das nicht erklären.“ Sie selbst sei am Mittwochabend noch da gewesen, habe gegen 19.50 Uhr nach den Tieren gesehen. Fünf Stunden später ging die Gartenhütte in Flammen auf – ein Schuppen mit Werkzeug, direkt daneben die Voliere mit etwa 70 Wellensittichen.

 Die Gartenhütte im Schrebergarten wurde durch die Flammen vollständig zerstört. Es blieb nur verkohltes Holz.
Die Gartenhütte im Schrebergarten wurde durch die Flammen vollständig zerstört. Es blieb nur verkohltes Holz. Foto: Feuerwehr Grevenbroich

Gegen 0.55 Uhr bemerkten Augenzeugen laut Feuerwehr den Feuerschein und die Rauchentwicklung im Bereich der Kleingartenanlage. Sie wählten den Notruf. Wie die Feuerwehr mitteilte, stand die Gartenhütte in Vollbrand, als die ersten Einsatzkräfte eintrafen. Die Retter starteten einen großen Löschangriff, schützten so auch die Volieren. Um die Vögel vor dem Rauch zu schützen, setzten sie einen Hochleistungs-Lüfter ein, um die giftigen Gase wegzudrücken. Dadurch blieben 50 Tiere verschont, 20 weitere waren jedoch schon vor Eintreffen der Feuerwehr verendet.

Noch während die Einsatzkräfte löschten, begaben sich Claudia Zerlik vom Veterinäramt und der Chef des Tierheims Oekoven, Benjamin Pasternak, zur Einsatzstelle, um die verbliebenen Wellensittiche in Sicherheit zu bringen. „Ich bin gegen 2 Uhr angerufen worden. Als ich mir einen Überblick verschafft hatte, habe ich Benjamin Pasternak um Unterstützung gebeten“, berichtet Zerlik. In der Voliere habe es stark nach Rauch gerochen, auch sei sie mit Löschwasser überflutet worden. „Das Wasser stand am Boden und hatte sich mit dem Futter vermischt.“

 Der Feuerschein in der Nacht zu Donnerstag war weithin sichtbar.
Der Feuerschein in der Nacht zu Donnerstag war weithin sichtbar. Foto: Feuerwehr Grevenbroich

Gestresste Sittiche
einzufangen will geübt sein

In einer gemeinsamen Aktion fingen Zerlik und Pasternak die gefiederten Tiere vorsichtig ein. „Die Vögel waren panisch“, sagt Pasternak. Wellensittiche seien sehr stressempfindlich, hätten in solchen Situationen einen hohen Puls und liefen Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden. „Die Tiere sind wild durch die Voliere geflattert, haben Grüppchen gebildet.“ Das Einfangen gestresster Sittiche erfordere viel Erfahrung und müsse schnell gehen – damit sie nicht zu stark ermüden und „von der Stange fallen“. Den Fachleuten vor Ort ist es schließlich gelungen, die Tiere rasch einzufangen. „Wir haben sie nach Oekoven gebracht“, sagt Pasternak. „Am Morgen danach kamen die Besitzer und haben ihre Wellensittiche abgeholt.“ Den Tieren sei es vergleichsweise gut gegangen.

Derweil hat die Kriminalpolizei Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Zur Schadenshöhe konnten zunächst keine Angaben gemacht werden. Auch Teile der Nachbarparzelle, auf der Hühner und Gänse gehalten werden, wurden ein Raub der Flammen.