Grevenbroich: SPD will Gesellschaft für Strukturwandel

Antrag für den nächsten Rat : SPD will Entwicklungsgesellschaft

Mit RWE sollen Strategien für die freiwerdenden Kraftwerksflächen entwickelt werden. 

In der Januar-Sitzung des Stadtrates wird die SPD die Gründung einer Entwicklungs-Gesellschaft für den Strukturwandel beantragen. Das Ziel: Gemeinsam mit RWE sollen Strategien und Lösungen für die künftig freiwerdenden Kraftwerksflächen erarbeitet werden. „Vorbild könnte die Indeland-Gesellschaft im Kreis Düren sein“, sagt Fraktionsgeschäftsführer Daniel Rinkert.

Grevenbroich ist Mitglied im „Rheinischen Sixpack“, das Ideen für die Zeit „nach der Braunkohle“ in der Region entwickelt. „Das ist eine gute Sache, wenn es etwa um die Realisierung interkommunaler Gewerbegebiete geht“, sagt Rinkert. Darüber hinaus müsse für Grevenbroich aber etwas Eigenständiges auf die Beine gestellt werden – „schließlich sind wir die Stadt, die im Rheinischen Revier am massivsten vom Kohle-Ausstieg betroffen sein wird“.

In der Nachbarschaft arbeitet die Indeland-Gesellschaft schon lange an Plänen, wie sich der Kreis Düren künftig als Wirtschafts- und Freizeitregion aufstellen könnte. „Eine solche Gesellschaft sollte zusammen mit RWE auch in Grevenbroich gebildet werden“, sagt Daniel Rinkert und kündigt für die nächste Ratssitzung einen entsprechenden Antrag seiner Fraktion an. Das Ziel: Gemeinsam mit dem Energiekonzern sollen die künftig freiwerdenden Kraftwerksflächen in Frimmersdorf und Neurath überplant und entwickelt werden.

„An Ideen scheitert es sicherlich nicht“, meint Rinkert. „Aber um diese umzusetzen, bedarf es einer Gesellschaft, die sich verantwortlich fühlt, die über das nötige Geld und die erforderliche Personalstruktur verfügt – und die sich intensiv um die Vermarktung von Flächen kümmert.“ Die SPD will die Stadtverwaltung per Antrag beauftragen, in dieser Sache tätig zu werden. Unterstützt wird das Begehren von Bürgermeister Klaus Krützen, der eine Entwicklungs-Gesellschaft als „wirklich gute Sache“ bezeichnet.

Den Termin für ihren Antrag haben die Sozialdemokraten bewusst gewählt. Denn in der Januar-Ratssitzung wird RWE erste Pläne für eine mögliche Entwicklung des Kraftwerks-Areals in Frimmersdorf aufzeigen. Unter dem Kürzel „Fritz“ (für: Frimmersdorfer Innovations- und Technologiezentrum) sollen grobe Skizzen für die künftige Nutzung der riesigen Fläche vorgestellt werden. Insgesamt handelt es sich um ein Areal von 160 Hektar Industrie- und Gewerbeflächen, die quasi vom Kleinfelder- bis zum Frenzenhof reichen und auch die Ausbildungswerkstatt am Langer Weg in Gindorf umfassen.

Das Projekt „Alu-Valley 4.0“ ist in die Planungen aufgenommen

Aufgenommen in diese Planungen ist auch das Projekt „Alu-Valley 4.0“, mit dem eine Lücke gefüllt werden soll, die das Ende der Braunkohle hinterlassen wird. Das vom Rhein-Kreis Neuss ins Rennen gebrachte Vorhaben – das gute Aussichten auf Fördergelder hat – sieht eine dauerhafte Vernetzung von Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen vor.

„Es soll ein Innovationszentrum entstehen, das sich mit einem energieeffizienten Einsatz von Aluminium und seiner verstärkten Anwendung in der Bau-, Verpackungs- und Maschinenbauindustrie sowie im Freizeit- und Designbereich beschäftigen soll“, so Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Langfristig sollen sich Industrie- und Gewerbegebiete im „Alu-Valley 4.0“ niederlassen. Ein Ziel des Vorhabens ist aber auch, Hochschulen und Forschungseinrichtungen für eine Ansiedlung zu interessieren. Ein solcher Campus soll auch Chancen für Start-up-Unternehmen und Existenzgründer eröffnen.

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