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Grevenbroich: SPD-Fraktionschef plant den Rückzug

Horst Gerbrand will nicht mehr kandidieren : SPD-Chef will sich zurückziehen

Horst Gerbrand wird der Kommunalpolitik den Rücken kehren.

. Mit welchen Ratskandidaten die SPD in den Kommunalwahlkampf 2020 ziehen wird, steht noch nicht fest. „Ende Januar wird unsere Findungskommission tagen“, sagt Daniel Rinkert, der kommissarisch den Stadtverband leitet. „Danach werden wir unsere Mannschaft präsentieren können.“ Einige ältere Mitglieder hätten angekündigt, nicht mehr kandidieren zu wollen, manche Newcomer stünden bereits in den Startlöchern. Namen will Rinkert im Vorfeld des Januar-Termins aber nicht nennen.

Nur einen: Horst Gerbrand, seit zehn Jahren Vorsitzender der SPD-Fraktion, wird sich nicht mehr zur Wahl stellen. Im Herbst nächsten Jahres möchte sich der Wevelinghovener komplett aus der Kommunalpolitik zurückziehen – nach fast einem Vierteljahrhundert ehrenamtlicher Arbeit im Stadtrat. Gerbrand begründet seinen Entschluss mit zeitlichen Gründen. „Ich möchte mich mehr meiner Familie und meinen Hobbys widmen – und natürlich auch meinem Beruf.“

Gerbrand ist Geschäftsführer
des NRW-Städtebundes

Erst kürzlich wurde der 60-Jährige einstimmig für weitere acht Jahre in seinem Amt als Geschäftsführer des nordrhein-westfälischen Städte- und Gemeindebundes bestätigt. „Es kommen viele zusätzliche berufliche Aufgaben auf mich zu“, sagt Horst Gerbrand. „Das bindet viel Zeit.“ Und da seien ja auch noch die Ehefrau, die drei erwachsenen Kinder und die (bald drei) Enkel, die in den zurückliegenden Jahren viel zu kurz gekommen seien.

Mit 25 Jahren erstmals Vater geworden, mischte sich Horst Gerbrand schon bald in die Kommunalpolitik ein. „Da kamen plötzlich Themen auf den Tisch, die vorher nicht von Interesse waren – etwa Kindergärten und Schulen“, erinnert er sich. „Dafür wollte ich mich engagieren.“ Die Arbeit im Rat und in dessen Ausschüssen mache ihm nach wie vor Spaß – „vor allem, weil wir auf viele Erfolge verweisen können“, sagt Gerbrand. Die Bilanz dieser politischen Arbeit hatte er bereits in seiner jüngsten Rede zum städtischen Haushalt gezogen.

Doch im Herbst 2020 soll Schluss sein: Der Fraktionsvorsitzende, der einige Jahre lang auch die Stadtpartei führte, plant – „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ – seinen kompletten Rückzug aus der Politik. Er möchte künftig auch nicht mehr in der zweiten Reihe aktiv sein, etwa als Sachkundiger Bürger seiner Fraktion. „Dieser Entschluss steht fest“, sagt Horst Gerbrand.

Ein ehrenamtliches Engagement für Grevenbroich könne er sich aber nach wie vor vorstellen. Zum Beispiel in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, in der auch sein „Vize“ Holger Holzgräber aktiv ist. „Vielleicht werde ich mich in der Waldpflege betätigen“, überlegt Gerbrand, der im Besitz des Motorsägenscheins ist. Auf jeden Fall will er sich künftig auch mehr seinen sportlichen Hobbys zuwenden – Tennis, Badminton und Joggen.

Was seine Nachfolge angeht, will sich Horst Gerbrand nicht äußern. „Das muss die Fraktion im nächsten Jahr entscheiden“, sagt er. „Grundsätzlich sind wir gut aufgestellt – und es gibt da einige Leute aus meinem persönlichen Umfeld, denen ich den Fraktionsvorsitz sehr gut zutraue.“ Heißester Anwärter auf den Posten dürfte Daniel Rinkert sein, der Gerbrand freundschaftlich verbunden ist. Trotz seiner 31 Jahre zählt der in Neurath lebende Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes schon zu den „alten Kämpen“ im Stadtrat.